Erste Worte
Pantha Du Prince spricht über sein derzeit entstehendes neues Album
Text: Hendrik WeberAuf seinem letzten Album »This Bliss« verwebte der Hamburger Produzent, Komponist und Möbelbauer Hendrik Weber alias Pantha Du Prince kristalline Glöckchen und Murmeln aus Glas und Holz zu düsterer Minimal-Romantik – im Herbst 2009 soll sein neues, drittes Studioalbum auf Dial Records erscheinen. Kai Ginkel traf Weber in Heidelberg während dessen Support-Show für Animal Collective zum Gespräch, um ihn zum Entstehungsprozess der noch unbetitelten Platte zu befragen.

(Foto: © Asha Mines)
Mein vorheriges Album »This Bliss« entstand ohne wirkliches Studio, was bedeutet, dass ich selbst dann, wenn ich unterwegs war, mit Kopfhörern weiter daran gearbeitet habe. Meine jetzige Vorgehensweise ist anders: Ich nehme mir gerade immer wieder zwei Wochen Zeit und arbeite dann gezielt an einem bestimmten Stück. Zusammen mit zwei Freunden – Stephan Abry von Workshop und Joachim Schütz, der mit Arnold Dreyblatt kooperiert – habe ich für das kommende Album in einem Haus in der Schweiz aufgenommen. Dieses Haus steht an einem Schuttberg, das heißt der Berg ist 1815 nach einer Trockenperiode und tagelangem Regen abgerutscht und hat ein Dorf unter sich begraben. Dieser Ort ist also sehr aufgeladen und birgt eine gewisse Melancholie in sich. Die gewaltigen Kräfte der Natur werden hier sichtbar und greifbar. Es ist ein sehr zerklüftetes Gebiet, und wir haben uns dort immer wieder hineinbegeben und einige Aufnahmen gemacht: eine Mischung aus Field Recordings und »freiem Spiel«. Es sind aber natürlich nur kleine Teile, die ich da letztendlich herausschneide: Das Basismaterial besteht aus Improvisationen, die sich über 20 oder 30 Minuten hinziehen können, und ich verwende meist nur einige Millisekunden daraus und benutze diese für Sample-Bänke, die ich für meine weitere Arbeit zusammenstelle.
Wir haben mit allen möglichen Gegenständen und Instrumenten aufgenommen: mit einer Autoharp beispielsweise – das ist eine liegende Harfe. Ich habe außerdem während einigen Improvisationen Bass gespielt – präparierten Bass allerdings, z.B. mit Metallteilen, die die Saiten zusammenhalten. Doch das sind separierte Aufnahmen, die haben eigentlich gar nicht so viel mit Pantha Du Prince zu tun. Ich benutze dieses Material nur wie eine organische Masse, aus der etwas wachsen kann, wie ein Konzentrat, aus dem man etwas herauszieht, gerade für diejenigen Tracks, in denen man nur einen winzigen Teil daraus wiederfindet. Man beginnt ein Stück nicht mit einer bestimmten Idee – es ist sogar genau umgekehrt: Manchmal sind es nur zwei, drei aufgenommene Sekunden, aus denen sich letztendlich etwas entwickelt. Es gab keine fertigen Stücke, denen dann noch etwas hinzugefügt wurde: Genau das wollte ich nicht! Die Mikroorganismen der Platte sind also diese Aufnahmen, doch es werden hinterher – im Studio – noch elektronische, gespielte Teile addiert. Das passiert in einem regelrecht kommunikativen Prozess: Das Material erzählt viel, wenn man sich hineinhört, und man hört dabei Elemente, die zuerst gar nicht aufgefallen sind. Dass beispielsweise ein Hund im Hintergrund bellt und gleichzeitig der Oberton der Gitarre klingt, diese Resonanzen sind dann der Nährboden für ein neues Stück. Alle Musik ist quasi schon als Baustein in Klängen vorhanden. Es geht hierbei nur darum: Warum richte ich den Fokus auf mein Gehör? Was passiert da mit mir? Schon hört man ein komplettes, neues Stück Musik, so werden diese Reflektionen wie unter einem Mikroskop oder auch Tonoskop wahrgenommen und derzeit in meinem Studio hörbar und verhandelbar gemacht.
In unserer Playlist finden sich neben den Stücken »Saturn Strobe«, »Walden 2« und »Steiner im Flug« (alle aus dem zweiten Album »This Bliss«) auch der Pantha Du Prince-Remix von Animal Collectives »Peacebone« sowie das inoffizielle Mashup aus »Saturn Strobe« und Tocotronics »Manifest«.
VIDEO: Pantha Du Prince (Playlist)
Mit der akustischen Konzertgitarre habe ich als Musiker angefangen. Ich spiele noch immer gerne die Gitarre, obwohl ich das Instrument eigentlich sehr einschränkend finde. Außerdem beherrsche ich es nicht so gut wie beispielsweise Stephan Abry oder Joachim Schütz. Das Spielen macht aber deshalb Spaß, weil es etwas direkt Physisches ist, weil das ein Instrument ist, dessen Schwingungen sehr direkt auf den Körper übergehen. Das vermisst man manchmal, wenn man immer nur vor diesen schwarzen Lautsprechern sitzt. Die Gitarre an sich ist ein interessanter Klangkörper, und wir benutzen sie dementsprechend sehr ›entfremdet‹ oder präpariert. Auf der Tour mit Animal Collective habe ich als Pantha Du Prince nun live z.B. auch eine Kalimba oder andere Percussion-Instrumente verwendet. Eine Kalimba besteht aus ein paar Metallstücken, die alle auf einen bestimmten Abstand gestimmt sind, und die klingen eben. Oder Glocken beispielsweise, die haben wir auch bei unseren Aufnahmen in der Schweiz benutzt. Ich prozessiere solche Elemente weiter und mache sie letztendlich zu einem Tanzstück. Wobei, im Moment noch nicht einmal unbedingt das: Ich mache nämlich gerade viele Sachen, die sich einfach so vor sich hin entwickeln – aber sie sind immer rhythmisch, das schon.
Im House- und Techno-Bereich habe ich dadurch, dass ich auflege, einen guten Überblick darüber, was gerade Neues erscheint. Zu wissen, was man auflegen muss, ist etwas völlig anderes als ein Konzert. Natürlich befruchtet das eine das andere, weil sich beide Welten durch ihre Funktionsweisen etwas zu erzählen haben, doch im Grunde genommen sind es zwei völlig verschiedene Techniken. Wenn man sehr viel auflegt, gerät ein wenig das Organische verloren, das man eher mit Konzerten verbindet, und das muss man daraufhin erst wieder lernen. Umgekehrt ist es genauso. Es erfordert viel Aufwand, ein funktionierendes DJ-Set zu bauen und zu erspüren wie es einzusetzen ist. Wenn man nur eines von beidem macht, dann ist man dort zwar »voll dabei«, aber man macht es sich auch sehr einfach. Nach einer Weile wird das langweilig, und die Dinge passieren zu automatisch. Eine Leere, die zu vermeiden ist, indem man sich in andere Kontexte begibt, unter andere Vorzeichen. Daraus entstehen soziale Rückkopplungen – unter Umständen auch Wirrungen, die durchaus fruchtbar wirken. Dieser Vorgang schließt allerdings auch ein, dass Funktionalität eingebüßt wird und instabile Zustände entstehen, die aber wahnsinnig bereichern: als Schwebezustand in einer zu perfekt organisierten modernen Welt.
Das neue, noch unbetitelte Pantha Du Prince-Album wird voraussichtlich im Oktober 2009 auf Dial Records veröffentlicht. Soeben erschienen ist die neue Single »Behind the Stars«, die man bereits auf MySpace streamen kann.

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