Schnipp, schnapp!

La Roux

Text: Oskar Piegsa

Sie gelten als eine der größten Hoffnungen des Musikjahres 2009: Elly Jackson und Ben Langmaid alias La Roux. Erst ein Unfall, dann ein Witz – jetzt ist es Pop.

La Roux
Einsames Mädchen mit wallendem Haar, verträumte Texte, Gezupfe auf der Akustikgitarre: Die Zeichen standen auf Folk. Doch das war Jackson auf Dauer zu öde. Die alten Zöpfe mussten ab, in jeder Hinsicht. (Foto: © Sébastien Agnetti / SPEX)

Ob das Schamhaar von Madonna, das Achselhaar von Beth Ditto oder der Bart von Peaches: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, verkündet nichts so pointiert den Neuaufbruch im Pop wie ein Büschel Frauenhaar. Jetzt folgt das Haupthaar von Elly Jackson, das sich in Neigungswinkeln von 180 bis 90 Grad zum Erdboden verhält und eine klare Ansage ist: Naturwüchsigkeit ist out. Unangepasstheit ist angesagt. »Als Kind habe ich immer die Jungs um ihre kurzen Haare beneidet«, sagt die 21-jährige Elly Jackson. »Aber gleichzeitig dachte ich: Vergiss es, du bist ein Mädchen!« Später, in ihren Teenager-Jahren, versuchte sich Jackson als Musikerin. Einsames Mädchen mit wallendem Haar, verträumte Texte, Gezupfe auf der Akustikgitarre: Die Zeichen standen unweigerlich auf Folk. Doch das war Jackson auf Dauer zu öde. Die alten Zöpfe mussten ab, in jeder Hinsicht. Zu ihrem Glück entdeckte der Produzent Ben Langmaid die Sängerin – und beide zusammen ihre Liebe für Synthie-Pop und Falsetto-Gesang. Ihre Band nannten sie La Roux, nach Jacksons flammendroter Haarpracht. Das ist nicht ganz einwandfreies Französisch, aber durchaus im Sinne der androgynen Achtziger, die beiden als soundästhetischer Fundus dienen. »Es ist schwer, etwas komplett Neues zu erfinden«, sagt Jackson, die Eurythmics und Prince liebt, ihre Band aber nicht als Retro-Phänomen verstanden wissen will: »Wir sind nicht so adrett wie die Eighties-Bands, wir haben verzerrte Sounds und Bässe.« Damit überzeugten Jackson und Langmaid sowohl das Pariser Hipster-Label Kitsuné, bei dem Ende 2008 ihre Debütsingle »Quicksand« erschien, als auch Lily Allen, die La Roux mit auf Tour nahm, sowie die Universal-Tochter Polydor, die demnächst ihr Album veröffentlichen wird.

Rote Haare, exotische Cocktails, Sonnenuntergänge – so müssen Popvideos doch aussehen. VIDEO: La Roux - Quicksand Regie: Kinga Burza

»Pop gehört aufs Majorlabel, Erfolg ist mir definitiv wichtig«, sagt Elly Jackson. Stück für Stück will sie nach oben. So wie einst, als Elly ihre Haare zu schneiden begann, alle drei Tage ein paar Zentimeter. Was dabei herauskam – kurz an den Seiten, langer Pony – erschien ihr erst als Unfall. Dann als Witz. Jetzt ist es Pop. Das selbstbetitelte Album von La Roux erscheint am 26. Juni 2009 (Polydor / Universal Music).

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » La Roux:

    [...] immer Skreams fantastischer Dubstep-Rave-Remix von »In for the Kill« in den Ohren. Wie sie im ›Quicksand‹-Video an der Ananas lehnte, wie sie im ›In for the Kill‹-Video im Toyota saß, wie sie gut geföhnt [...]

     
 
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