Peter Bjorn And John

Living Thing

Text: Wibke Wetzker

Als Daniel Day-Lewis 1997 die Schnauze voll hatte von der Schauspielerei, da ging er einfach weg, nach Italien, um dort Schuhe zu machen. Elf Jahre später gewann er einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Dass Joaquin Phoenix vor ein paar Wochen beschloss, Hiphop als neue künstlerische Ausdrucksform zu nutzen, brachte ihm eine Parodie auf der Oscarverleihung ein. Will sagen: Ein Neuanfang ist keine Wiedergeburt, und: Wer sich neu erfinden will, der tut das am besten fernab seines angstammten Metiers.

    Auf das fünfte Album des schwedischen Männer-Trios Peter, Bjorn and John übertragen betrifft das deren Verweigerungshaltung gegenüber der Fremderwartung, die 2006 durch den omnipräsenten Gassenhauer »Young Folks« geschürt wurde. Der Hit mit der sorglos dahingezwitscherten Melodie stellte das Album »Writer’s Block« in einen langen Schatten, über den die Schweden bereits letztes Jahr mithilfe der instrumental-akustisch gehaltenen Komplementär-Veröffentlichung »Seaside Rock« zu springen suchten. »Living Thing« ist der erneute Versuch der Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte mit anderen Mitteln. Unter dem Schlachtruf ›Hakuna-mata!‹, erinnert der titelgebenden Song an den World-Music-Klassiker »The Lion Sleeps Tonight« (und in zweiter Linie an Paul Simons »You Can Call Me Al« vom Album »Graceland«, 1986). Eine skandinavische Indie-Pop-Rhythmusgruppe zu Gast beim »König der Löwen«, das stiftet lediglich Verwirrung.

    Beweist die Band anfänglich noch Gespür für mitreißende Singalongs und gefühlsbetonte Hinhörer – »It Don’t Move Me« kombiniert ein paar pointierte Tastenanschläge auf dem Piano mit schmissigen Electrobeats, »Just the Past« pendelt sich irgendwo zwischen Synthiepop und Disco-Schlager aus und »Nothing to Worry About« holt den Kinderchor dort aus dem Spielparadies ab, wo ihn Justice nach »D. A. N. C. E.« zurückgelassen haben – so präsentiert sich ein Großteil des Albums in etwa so stimmungsvoll wie Pauschaltourismus in fremden Ländern. Ethnologisch interessierter Glamrock (»I’m Losing My Mind«) und Alltags-Operetten zu dahintrottendem Beat (»I Want You!«) implizieren genau den »lack of inspiration«, den Peter Morén in »Stay This Way« besingt: »I don’t wanna go back, I don’t wanna move on« – das zumindest ist Peter, Bjorn and John gelungen.

LABEL: Wichita / Cooperative Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 27.03.2009

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