J Dilla
Dillanthology I - Dilla’s Productions for Various Artists
Text: Tara Hill
Wer nach Gemeinsamkeiten zwischen heutigen Rap-Ikonen sucht, wird nicht schnell fündig: Zu disparat klingen die Werke von Kanye West, Mos Def, Common oder Questlove. Dennoch gibt es einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Allesamt berufen sie sich auf den mittlerweile legendären Detroiter Hiphop-Übervater J Dilla, der in den USA als ›Lieblingsproduzent aller Lieblingsproduzenten‹ gilt.
Dies obwohl – oder gerade weil – James Dewitt Yancey, so Dillas bürgerlicher Name, 2006 mit nur gerade 32 Jahren unter tragischen Umständen verstarb – und zwar nicht durch eine Schießerei, sondern an den Folgen einer Lupus-Infektion, die den Mastermind bereits während seiner letzten Lebensjahre ans Bett gefesselt hatte. J Dilla trotzte der Krankheit bis zum Schluss, und bewies noch auf seinen letzten, im Krankenhaus entstandenen Aufnahmen sein außergewöhnliches Gespür für Samples, die er in minutiöser Kleinarbeit solange verfremdete, bis der völlig neue, melodisch-jazzige Neo-Soul entstand, für den J Dilla stilprägend wurde.
»Dillanthology I« bildet nun den Auftakt zu einer Reihe von Tribut-Alben, mit der das vielfältige Schaffen des Klang-Künstlers posthum gewürdigt werden soll. Darauf zeichnet das Label Rapster Records den Weg des Detroiter Ausnahmetalents von seinen Wurzeln in der legendären Underground-Crew Slum Village über frühe Rap-Perlen (wie das von J Dilla im zarten Alter von 21 Jahren für The Pharcyde produzierte »Drop«, das seinerseits auf einem beinahe zur Unkenntlichkeit bearbeiteten Sample von Stan Getz’ »Saudade Vem Correndo« basiert) bis zur Produktion von weltbekannten Hits wie Commons »The Light« oder dem De La Soul-Klassiker »Stakes Is High« nach. Die Auswahl der elf versammelten Klassiker zeigt dabei exemplarisch das beeindruckende Spannungsfeld zwischen relaxter Jazz-Atmosphäre (etwa bei Erykah Badus »Didn’t Cha Know«) und ausgeklügelt-futuristischen Arrangements auf, an die der dekonstruktive Minimalismus eines Pharrell Williams heute nahtlos anknüpft.
Trotz der unbestrittenen Qualität: Es bleibt die Frage, an wen sich »Dillanthology I« richten soll – Denn alte Hiphop-Hasen werden die elf Tracks längst auf Vinyl erstanden haben, und sogar bei Rap-Interessierten jüngeren Jahrgangs dürften sich diese Songs allesamt bereits auf der IPod-Playlist befinden. Neue Perspektiven auf J Dillas Werk sucht man auf dem Album dagegen vergeblich – dafür muss man wohl oder übel auf die weiteren Releases der Tribut-Reihe warten. Einziger Verdienst der Compilation bleibt es also, durch die erstmalige Versammlung von J Dillas besten Auftragsarbeiten an sein herausragendes Werk zu erinnern. Ein löblicher Gedanke, der den Kauf aber kaum zwingend macht. Es sei denn, man habe die letzte Dekade der Hiphop-Geschichte komplett verschlafen.
LABEL: Rapster
VERTRIEB: Alive
VÖ: 27.03.2009

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