Diverse
Roll Your Moneymaker - Black Rock’n’Roll 1948-1958
Text: Nadja Geer
»Erfolg hat keine Farbe mehr« schrieben Musikjournalisten über die Superstars der achtziger Jahre, über Michael Jackson, Prince und Whitney Houston. Dreißig Jahre zuvor hatte kommerzieller Misserfolg jedoch eine Farbe und die war schwarz. Das lag nicht daran, dass schwarze Musiker in den USA der frühen Fünfziger kein Händchen fürs Geschäftliche gehabt hätten, sondern schlichtweg an der damals noch vorherrschenden Rassentrennung und Diskriminierung. »Mich ärgerte vor allem, dass ich als Urheber des Songs im Gegensatz zu den weißen Kopierern niemals die Chance bekam, in eine der Top Fernseh- oder Radio-Shows eingeladen zu werden« zitiert Jonathan Fischer in seinen Linernotes zur Kompilation »Roll Your Moneymaker - Early Black Rock’n’Roll 1948-1958« Ruth Brown, einen der frühen Stars des Labels Atlantic Records. Brown war mit ihrer Mischung aus Rock’n’Roll und Soul eine vielen Musikerinnen und Musiker, die schon vor Elvis einen neuen Sound in die R&B-Landschaft der populären Musik in den USA gebracht hatten.
Bekanntlich wurde Elvis Presley mit seiner Fassung eines Big Mama Thorntons-Songs (»Hound Dog«) berühmt, und Fischers Kompilation will einmal mehr zu Gehör bringen, dass die musikalische Revolution, die später unter dem Namen Rock’n’Roll die Welt erobern sollte, woanders begann als in den Schulaulas der weißen Mittelschicht. Sie versammelt neben bekannten Vorläufern wie Ike Turner, Howlin’ Wolf, Rufus Thomas, Johnny »Guitar« Watson, Bo Diddley und Chuck Berry auch unbekanntere Musiker wie Shakey Jake und Billy »The Kid« Emerson und Sister Rosetta Tharpe. Verklammert werden die recht unterschiedlich klingenden Songs durch die Ansage des Herausgebers: Das ist schon Rock’n’Roll und nicht mehr Rhythm&Blues. Allerdings hat Fischer als alter Soul und R&B-Fan natürlich auch wieder ein paar Stücke darunter gejubelt, die man so erst einmal nicht als Rock’n’Roll kategorisieren würde. Blues überwiegt und »Bring the Money In« klingt sogar verdammt swingend.
Also glauben wir weniger der kämpferischen Ansage des Herausgebers, dass der ›echte‹, der wilde, der – sagen wir ruhig – ›geile‹ Rock’n’Roll schwarz ist. Sondern sehen wir in »Roll Your Moneymaker« eher die ekletizistische Auswahl eines passionierten Sammlers und Kenners schwarzer Musik, der noch ein paar seiner Perlen unterbringen wollte.
Die ewigen Grundsatzdiskussion, wer den Rock’n’Roll erfunden hat, also ob die Schwarzen oder die Weißen, langweilt eh ein wenig. Aufsehen erregt hat noch einmal der Artikel »A Paler Shade of White« des Musikjournalisten Sasha Frere-Jones im »New Yorker«. In dem schrieb er, dass der Rock’n’Roll, der so viele britische Musiker in den Sechzigern beeinflusst hat, eine Mischung gewesen sei aus Schokolade und Erdnussbutter, eine Mischung, die man nicht mehr künstlich auseinanderdividieren sollte. Frere beschwert sich allerdings weniger darüber, dass der Rock’n’Roll doch auch schwarze Anteile hat (was sich von selbst versteht), sondern dass der Indierock, so wie Arcade Fire ihn beispielsweise machen, seine schwarzen Anteile verleugnen würde. Egal wie man es auch dreht und wendet: Die Kompilation ist erstklassig, aber es ist nicht drin, was drauf steht. (Sonst müsste ja auch Little Richard zu hören sein.)
LABEL: Trikont
VERTRIEB: Indigo
VÖ: 14.11.2008

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