Ethan Rose

Oaks

Text: Raphael Smarzoch

Das Instrument, das Ethan Roses für seine Kompositionen verwendet, ist eine alte Wurlitzer Kinoorgel. Solche Orgeln wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigentlich zur Begleitung von Stummfilmen eingesetzt. Mit der rasanten Entwicklung des Tonfilms geriet dieses imposante Instrument allerdings sehr schnell in Vergessenheit. Bereits auf den zwei vorhergehenden Alben zeigte sich Roses Interesse an der Wiederbelebung obskurer Klangerzeuger. Damals begeisterte er sich für Spieldosen und Pianolas. Deutlich wird, dass eines der zentralen Anliegen von Rose darin liegt, alte und fast schon vergessene Objekte wieder in Erinnerung zu rufen und ihre akustische Magie erneut zum Klingen zu bringen. Diesem nostalgischen Zug entspricht musikalisch die melancholische Anmutung seiner elektronischen Experimente. Man hört in ihnen die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten.

    Obwohl sich die Kinoorgel durch eine faszinierende Klangvielfalt auszeichnet, lässt Rose niemals ihren Originalton klingen, sondern einzig die elektronische Verfremdung. Vielleicht erkennt Rose das Potential dieses skurrilen Instruments nicht, das nicht nur ein Orchester inklusive Schlagwerk simulieren konnte, sondern auch eine umfangreiche Effektbank aufwies. Jedenfalls orientieren sich seine Kompositionen an einem klanglichen Repertoire, das bereits von vielen Elektronikern hinreichend ausgelotet wurde. Das gilt auch für die Idee einem alten Instrument durch diverse computergestützte Modulationsverfahren eine neue Klangästhetik zu vermitteln.

    Vielleicht sollte man »Oaks« aber nicht unter innovativen Gesichtspunkten bewerten, denn Roses Absicht ist es gewiss nicht, die musikalischen Gesetzmäßigkeiten der zeitgenössischen Elektronik auf den Kopf zu stellen. Problematisch bleibt allerdings die fehlende Eigenständigkeit, die sich durch alle Stücke zieht. »Scenes From When« erinnert stark an die Arbeiten von Taylor Deupree, während »The Floor Released« mit seinen feingliedrigen elektronischen Verzahnungen die Musik Oren Ambarchis in Erinnerung ruft. Kurzum, man hat alles schon einmal irgendwo anders hören können. Das muss nicht unbedingt zum Ärgernis werden, denn »Oaks« ist ja doch ein sehr schönes Album geworden. Mehr aber eben auch nicht.

LABEL: Baskaru

VERTRIEB: A-Musik

VÖ: 27.01.2009

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