Bass: Peaktime-Hits für alle

In der Kolumne »Bass« thematisiert Christoph Braun einmal im Monat die Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit des Dub. Diesmal mit der Neu-Entdeckung des Klassikers T++ sowie neuen Tracks von Breakage und Instra:Mental, Soulphiction presents The Cocolettes, Intrusion, Peverelist und Hudson Mohawke.

T++Es war ein gutes Jahr. 4Hero und Goldie veröffentlichten 1995 bahnbrechende Tracks, und auch die Apache-Breaks der Junglists rochen ganz frisch. Der Berliner Torsten Pröfrock hat die Archiv-Nummer 8 aus diesem Jahr neu bearbeitet. »1995#8« summiert die Qualitäten des Poduzenten, der sich lange mit einem Schattendasein begnügt hat.

    Extrem verschachtelte Bass- und Drum-Patterns schlagen da in einleuchtenden Kontinuitäten. An Deepness hat Pröfrock sicher bei seinen Arbeitgebern im Berliner Hard Wax Record Store gelernt. Regelmäßig kollaboriert Pröfrock zudem mit Monolake, das schärft den Blick für’s Detail. So wurde der Typ der hundert Pseudonyme, der zur Zeit als T++ agiert, in den vergangenen beiden Jahren von den jüngeren Dub-Erneuerern wie Shackleton und Appleblim entdeckt. So remixt T++ auf der Skull Disco-Abschluss-Compilation »Soundboy’s Gravestone Gets Desecrated by Vandals« gleich zwei Tracks, und »1995#8« erscheint auf Appleblims Label Apple Pips. Schön, dass dieses Innovationslabor jetzt die gebührende aufmerksamkeit erhält.

T++ – 1995#8
 
Label: Apple Pips | Vertrieb: Import | VÖ:
bereits erschienen

Breakage/ Instra:Mental»Futurist« vereint Rhythmusformeln der tradierten arabischen Musik mit den grenzenlosen Fiktionen Detroits – es ist wunderbar. Alex Green und Damon Kirkham verfolgen bereits seit neun Jahren die Idee eines Sounds vibrierender Elektronen, um den Möglichkeiten des Synthesizers gerecht zu werden. Das klingt nun zunehmend gut, erst Recht, nachdem sich Instra:Mental vom Formelhaften des Drum&Bass der Nuller Jahre verabschiedet haben. Und auch ihr Kollege Breakage alias James Boyle löst sich hier von all den Breaks, die ein paar Mal zu oft in die Welt geschickt wurden. In »Late Night« streuen sich magnetisierte Blue Notes in ein Slow-Motion-Treiben.

Breakage / Instra:Mental – Late Night/ Futurist
Label: Naked Lunch | Vertrieb: Import | VÖ:
bereits erschienen

SoulphictionDub und House knallen durch. Hinter den Chocolettes verbergen sich International Pony, die auf dieser Vier-Track-EP für den Freude Am Tanzen-Ableger Musik Krause gemeinsam mit dem Stuttgarter Michael Baumann zu Beginn einen derart gegen sich selbst arbeitenden Remix ihres 2006 erschienenen Songs »The Royal Pennekaums« zurichten, dass nur der Wille zum Floor ein totales Zerfallen verhindert. Ein Battle aus einer Mücken-Hookline, Four-to-the-Floor und dem seduktiven Singen unserer lieben Popstars im Zeichen des Ponys. Soulphiction schickt einen Zeitlupen-Funk sowie zwei mächtige Twostepper inkluisve fast klassischer Dub-Behandlung hinterher.

Soulphiction pres. The Chocolettes – Part 2
Label: Musik Krause | Vertrieb: Kompakt | VÖ: bereits erschienen (Vinyl) / 06.02.2009 (Digital)

INtrusionDie Verführung der Stille. Halbsätze wie diese brauchen schon den passenden Kontext, um nicht gleich den letzten Wellness-Trend oder ein Feelgood-Movie aus dem »Amélie«-Lager zu evozieren. Stephen Hitchell ist von alldem weit genug entfernt. Auf seinem Solo-Debüt unter dem Pseudonym Intrusion bezeugt Hitchell, der vor allem als eine Hälfte von Echospace bekannt geworden ist, mit der Eleganz eines Sternenschweifs. Hier wird die Stille dazu verführt, doch noch etwas zu tun: in untersten Frequenzen zu pochen. Sich der Stimme Paul St. Hillaires bedienen, um Sanftheiten in die Welt zu flüstern. Zu Rauschen in silbrigem Design. Dringen Sie gerne weiter in mich ein.

Intrusion – The Seduction Of Silence
Label: Echospace | Vertrieb: Online / Import | VÖ: bereits erschienen

PeverelistOhne Punch Drunk, das Label des in Bristol ansässigen Peverelist, geht es einfach nicht mehr. Forsaken und Pinch halten hohe Qualität, der Meister selbst macht mit diesen beiden Tracks auf angecheesete Psychedelia. Im Titelstück pochen Panflötensynthies zu einem Call-And-Response der Percussions. So gerät »Clunk Click Every Trip« zeitweise gar weit über die Kitschgrenze hinaus. Peverelist holt das Stück dank verbindlicher Konzeptualität wieder aus dem Müll zurück. Ein schönes Spiel. »Gather« ist dann wieder eine sehr lullende Bass-Meditation.

Peverelist – Clunk Click Every Trip
Label: Punch Drunk Records | Vertrieb: Import| VÖ: bereits erschienen

Hudson MohawkeAuf allen Kanälen: der selbsternannte »Grandmaster Flash-Drive« aus Glasgow. Hudson Mohawke ist mit 22 Jahren gerade noch im Wunderkindalter und wird derzeit dementsprechend herumgereicht. Neben Rusty das zweite neue Warp-Signing! Der mit dem »Oops!«-Remix! Krasses Artwork! Die erste EP für Warp dreht gleich mehrere  Parameter der HudMo-Beats auf Anschlag. Die Produktion hat diese angesagte Chrom-Lackierung und kommt überhaupt ziemlich aufgepimpt daher. Ebenso erhöht Mohawke die Frequenz der Beats per Minute und ist selten noch im Kopfnicker-Takt einholbar. Extrem dicht arrangieren sich die Informationen, und in »Polkadot Blues« geht Mohawkes Plan auf: Peaktime-Hit für Clubs aller Art. Eine Gefahr lauert allerdings, und davon zeugt ein Stück wie etwa »Overnight«: Wer nicht verantwortungsbewusst mit seinem Equipment umgeht, läuft schnell Gefahr, aus seinem »Wonky« (neuer trendy Begriff für Beats) einen JazzRock werden zu lassen.

Hudson Mohawke – Polyfolk Dance
Label: Warp Records | Vertrieb: Rough Trade | VÖ:
bereits erschienen

Alle bisher erschienenen Ausgaben der Kolumne »Bass« finden sich hier im Überblick.

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