Joakim
My Best Remixes
Text: Carlos de Brito
Joakim Bouaziz’ musikalisches Schaffen beschreiben zu wollen, gleicht dem Versuch den berühmten Pudding an die Wand zu nageln. Ein ziemlicher Freigeist, den man allenfalls in seinen Anfangstagen rund um die Jahrtausendwende – unter dem Alias Joakim Lone Octet – noch einigermaßen eingrenzbar einem Future-Jazz-Umfeld zuordnen konnte; unweit von 4Heros Label 2000Black und East Londons Broken-Beat-Umfeld und den damit verbundenen Künstlern. Dass Future Jazz wiederum als Schublade eher einem großen Gemischtwarenladen gleicht, macht das Anliegen nicht einfacher. Spätestens aber mit seinen Alben »Fantômes« (2003) und »Monsters & Silly Songs« (2007) ist das Vorhaben zum absoluten Scheitern verurteilt. Das zuletzt genannte Album war mit seinen Ausflügen gen Indie, Shoegazing, Psychedelic, kurzum: einer Menge Rockspielarten plus Disco, Klassik und Electro eine echte Herausforderung und überforderte gar den reinen Tanzmusikfan.
Stichwort: »Mach mal Tanzbares!« Das macht der Tigersushi-Labelchef gerne, interessanterweise aber eher als Remixer. Hier lenkt er seine überbordende Kreativität in vergleichsweise geordnete, floorkompatible Bahnen. Wo andere musikalische Exzentiker ihren Auftraggebern schon mal gern einen unspielbaren und völlig durchgeknallten Remix vor den Kopf knallen, versucht Joakim aus den gegebenen Bestandteilen (und unter Hinzunahme eigener Sounds), die verborgenen Potentiale der jeweiligen Vorlage abzurufen und die Stücke auf Tanzbarkeit zu trimmen. Das kann er wie nur Wenige. Seine regelmäßigen Clubhits künden davon.
Nun kann eine solche Zusammenstellung wie »My Best Remixes« auch schon mal daneben gehen. Insbesondere bei Remix-Compilations ist das Ganze mitunter weniger als die Summe seiner Teile. Doch Joakim ist weit entfernt von jeglicher Formelhaftigkeit, das Album klingt trotz eindeutiger Dancefloor-Ausrichtung abwechslungsreich und divers und trotzdem homogen. Die Resultate sind mal mit Acid behandelte Pop-Stücke wie Annies »Always Too Late«, verdickte Dancefloor-Kracher wie Tigas »Pleasure From The Bass« oder eine Reise in den Piano-Himmel wie beim bis dato unveröffentlichtem Remix von DJ Mehdis »Pocket Piano«; im Original übrigens nicht annähernd so gut.
Einzige Kritikpunkte an dieser tollen Zusammenstellung: Ob das hier versammelte Dutzend tatsächlich allesamt aus nur Sahnetorte-Kirschen besteht, sei dahingestellt. Verständlich, dass man beim Stöbern im immensen Fundus an Joakim-Remixen schon mal den Überblick verlieren kann und löblich, dass man mit seinen Remixen für Air, Fischerspooner und Tiefschwarz vermeintlich ziehende Namen außen vor gelassen hat. Aber zu Joakims »Best Remixes« gehören nicht unbedingt Clashing Ego’s »Aming Nebere« und schon gar nicht Alter Ego’s »Why Not?«, Château Flights »Les Antipodes« und insbesondere die Italo-lastige Verfeinerung von Principles Of Geometrys »A Mountain For President« wären die bessere Wahl gewesen. Gut, das mag Geschmackssache sein. Ebenso wie die Re-Editierung und Verkürzung einzelner Stücke, um sie auf Compilation-Format zu bringen. Unverständlich ist allerdings, wieso Joakims Großtat, sein Remix für Antenas »Camino Del Sol«, hier um das letzte Drittel amputiert wird. Das kann man nicht bringen.
Abgesehen davon ist »My Best Remixes« eine sehr schöne Zusammenstellung, insbesondere für jene, die nicht jeder Maxi, auf der Joakims Name auftaucht, hinterher jagen.
LABEL: Tigersushi
VERTRIEB: Alive
VÖ: 23.01.2009

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