Eine opportunistische Stimmung

Das Jahr 2008 aus der Sicht von Panda Bear

Text: Noah Lennox

Die erste Tanzaufführung seiner Tochter, die versäumten Fortschritte in der portugiesischen Sprache, die Arbeit am neuen Animal Collective-Album »Merriweather Post Pavillion« und die neue Platte von Erykah Badu – Noah Lennox alias Panda Bear blickt für Spex auf sein Jahr 2008 zurück. Das Protokoll führte Michael Lutz.

Noah Lennox Panda Bear

Noah Lennox ist Mitglied der aus Baltimore stammenden Band Animal Collective, andererseits auch als Solo-Musiker unter dem Namen Panda Bear äußerst erfolgreich.

(Foto: © Ryan Pfluger)

2008 war nicht das schlechteste Jahr für mich: Ich sah meine Tochter zum ersten Mal tanzen. Nadja ist jetzt dreieinhalb und geht zur Vorschule. Im Frühjahr waren dort alle Eltern zu einer Art Festival eingeladen, für das die Kinder allerhand Performances einstudiert hatten. Es gab eine Theatergruppe, einen Chor, verschiedene Tanzeinlagen und ein Blockflötenensemble. Nadja war als Ballerina zu sehen. Sie tanzte begeistert und mit kindlicher Grazie, in ihrem schneeweißen Kleidchen sah sie aus wie eine Prinzessin. Es war wunderbar zu sehen, wie sie ihre Bewegungen nicht mehr nur funktional ausführte, sondern etwas artikulieren wollte. Etwas, das man nicht erklären kann, das jeder Mensch für sich selbst entdecken muss. Seit diesem Tag weiß ich, dass sie schon jetzt ein Gespür für Kunst entwickelt hat.

    Nadja ist wie meine Frau in Portugal geboren. Ich selbst lebe seit mehr als fünf Jahren dort. Dieses Jahr wollte ich mich eigentlich verstärkt meinem Portugiesisch widmen. Da meine Frau aber perfekt englisch spricht, fehlt mir nach wie vor der nötige Druck. Ich kann zwar im Restaurant Gazpacho bestellen und verstehe auch alles was im Fernsehen läuft, Gespräche über Spiritualität und Massentranszendenz fallen mir aber immer noch recht schwer.

Animal Collective - Merriweather Post Pavilion

»Merriweather Post Pavilion« kann man getrost als das bisher progressivste, zugänglichste und spannendste Animal Collective-Album bezeichnen. Am Freitag den 9. Januar erscheint es bei Domino Record Co., auf der niederländischen Seite 3 voor 12 kann man es in Gänze im Stream anhören.

STREAM: Animal Collective - Merriweather Post Pavilion

    Im vergangenen Jahr habe ich viel gearbeitet. Meine ganze Konzentration galt dem neuen Animal Collective-Album »Merriweather Post Pavilion«. Im Januar kam ich mit den anderen drei Bandmitgliedern zusammen und wir fingen an, neue Songs zu schreiben. Das Aufnehmen, Abmischen und Mastern der Stücke nahm so viel Zeit in Anspruch, dass wir das ganze Jahr über kaum zu etwas anderem gekommen sind. Obwohl es immer wieder Probleme und auch kleine Streitereien gab, empfand ich die Zeit als sehr angenehm und sorgenfrei. Es galt, die Unmengen von neuen Ideen zu koordinieren, die jeder von uns einbringen wollte. Manchmal fiel es mir ziemlich schwer einen meiner fertigen Songs zu zerlegen, ihn bis aufs Skelett zu entkleiden und mit den Einfällen der anderen zu verbinden. Am Ende schraubte ich meinen Egoismus aber immer zugunsten der Band zurück, wir sind schließlich gute Freunde. Ich glaube, dass man der neuen Animal Collective deshalb auch eine gewisse Leichtigkeit anhören kann. Der ganze Arbeitsprozess wurde von einer opportunistischen Stimmung begleitet, die sich auch im Sounddesign wiederfindet. Wir kamen gar nicht auf die Idee nur jene scharfen, schrillen High- und Mid-Range-Sounds zu verwenden, die noch unser letztes Album »Strawberry Jam« dominierten. Wir wollten das Frequenzspektrum erweitern und Songs schreiben, die einfach so ins Ohr tröpfeln. »Merriweather Post Pavilion« ist gewissermaßen unser Easy-Listening-Album geworden, was vielleicht manchen Hörer etwas verwirren wird.

    Was mich dieses Jahr verwirrt hat: Das aktuelle Album von Erykah Badu. Definitiv meine Platte des Jahres! Es kommt nicht besonders oft vor, dass mich Musik überrascht. »New Amerykah Part I: The 4th World War«, so heißt das Album, hat aber genau das geschafft. Niemals hätte ich gedacht, dass es so klingt, wie es klingt. Ich mag es, wenn Musik ein Gefühl von Verwirrung hinterlässt, dabei aber trotzdem schlüssig bleibt und sich nicht erklären muss. Zufälligerweise ist es auch Nadjas Lieblingsalbum.

Das neue, furiose Album »Merriweather Post Pavilion« von Animal Collective erscheint am Freitag, den 9. Januar bei Domino Record Co. und kann hier in voller Länge gestreamt werden. Am 18. Januar spielt die Band ein exklusives Deutschland-Konzert im Berliner Postbahnhof. Spex präsentiert die Show und verlost drei mal zwei Tickets. Zur Teilnahme an der Verlosung bitten wir um die Einsendung der animalischsten Geräusche, die sich innerhalb einer Email an gewinnen@spex.de und dem Betreff »Aaarrrrnimals!« in Textform bringen lassen. Die Gewinner werden am 15. Januar per Email benachrichtigt.

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