Telepathe

Dance Mother

Text: Michael Lutz

Neues aus Brooklyn: Telepathe, eine weitere Band aus dem Dunstkreis von TV On The Radio und jüngstes Mitglied im Club der retroinspirierten Fortschrittsgläubigen. Dave Sitek übernahm die Produktion und Gastvokalisten wie Kyp Malone oder Shannon Funchess von !!! (Chk Chk Chk) taten das Übrige, um gute Bedingungen für einen nachhaltigen Eindruck zu schaffen.

    Nun könnte man annehmen, Telepathe schlagen mit ihrem Debütalbum »Dance Mother« musikalisch in exakt dieselbe Kerbe wie ihre Peergroup. Das stimmt aber nur bedingt. Denn obwohl sich Melissa Livaudais und Busy Gangnes in Siteks wunderbarer Welt der Old-School-Synthesizer austoben durften und sicher auch des Öfteren dem Ratschlag von »Pop’s Greatest Innovator« (NME) Folge leisteten, breiten sie ihre Ideen nicht auf Soundzitaten aus drei Jahrzehnten aus, sondern konzentrieren sich fast ausschließlich auf cleane Beat-Frickeleien, ruhig fließende Ambientflächen und die dumpfe Melancholie des Dubstep-Kosmos. Auf dieser Basis entfalten sie mit Bedacht glitzernde Gesangsmelodien, die jedem Stück Kern und Struktur geben. Sie holen den Hörer gewissermaßen dort ab, wo er zuletzt von kauzigen Folk-Chanteusen wie CocoRosie stehen gelassen wurde, und führen ihn dann an einen Ort, wo derselbe trübe Popmoment nicht mit Spielzeuggeräuschen sondern mit Hightech-Spielzeug generiert wird.

    Somit ist Telepathe mit »Dance Mother« ein recht eigenwilliges Debüt gelungen, dessen Qualitäten sich vor allem dann zeigen, wenn man es laut hört. Warum? Weil sich erst dann die nebligen Synthieschwaden und atmenden Subbässe zu dem intendierten Gerüst verdichten, das den dünnen, luftigen Mädchenstimmen der Protagonistinnen etwas Kraftvolles entgegenzusetzen vermag und sie zugleich wie ein trockender Schwamm in sich aufsaugt. Bei Telepathes erstem Deutschland-Konzert, das Ende 2008 im Berliner Club West Germany stattfand, konnte man erleben, dass eine gerade noch so als erträglich empfundene Lautstärke die konsequente Abwesenheit von Groove ausmerzt, die das große Charakteristikum – um nicht zu sagen: Manko – von »Dance Mother« darstellt.

LABEL: V2 Records / Cooperative Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 30.01.2009

Diesen Artikel kommentieren?

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar schreiben zu können.

Solltest du noch kein Benutzerprofil haben, so kannst du dich hier registrieren. Bitte beachte: wir schätzen die Debatte, allerdings bevorzugt mit echten Menschen. Dein Username sollte daher aus Deinem vollen Namen, wenigstens aus Deinem Vornamen bestehen.

 
MySpex
Willkommen auf Spex.de
Du bist derzeit nicht angemeldet.
Um Artikel kommentieren zu können, musst du dich registrieren bzw. anmelden. Solltest du bereits auf Facebook registriert sein, so kannst Du auch diesen Login nutzen.

Login
Registrieren
 

  • Redaktionscharts 2011



    Die Spex-Redaktion hat die 30 wichtigsten Songs und Alben des Jahres kompiliert. Plus ByteFM-Stream.
  • Die neue Spex #336

    Spex #336 Teaser

    Die neue Ausgabe Spex #336 ist ab dem 16. Dezember im Handel erhältlich, u.a. mit Newcomerin Lana Del Rey, David Lynch als Musiker, Occupy Wall Street mit Mark Greif, The Black Keys und dem Jahresrückblick RE: 2011.

    Außerdem: Gordon Matta-Clark, Miguel Adrover, Frank Miller, Rodarte, Mary Bauermeister, Drive, Veronica Falls, Sepalcure, Das Racist, Winfried Menninghaus, Niobe, Let Me In u.v.m.

    Dazu: Die Spex-CD #100 mit 15 Titeln und einem tierischen Foto von Juergen Teller.
  • Vernetzen

    Spex auf Facebook
  • Gezwitscher

  • Spex abonnieren

    Spex im Abo mit Prämie

    6 Hefte ¬ 6 CDs ¬ nur 30 Euro
    Immer 1 Woche vor Kiosk frei Haus
    Jetzt abonnieren!

Spex International
Spex International
Selected Spex contents in English
  • Daniel Miller & Patrick O’Neill of Mute on their new label
    Thomas Vorreyer | 28.01.2012 um 16:01
  • Talking music history with Debbie Harry and Chris Stein
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
  • »Since I’ve become an artist my mother is proud of me«
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
more

Neueste Texte
  • Compilation: »Format«
    Sebastian Hammelehle | 10.02.2012
  • Verlosung: Soundtrack zu Nicolas Winding Refns spektakulärem »Drive«
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012
  • Verlosung: Kontrabassist Baldwin heute bei »Kometenmelodien« in Berlin
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012

Blogs

-->