Diverse Ultimate Trasher Vol. 1

Gestern, beim Haarschnitt im 10-Euro-Friseursalon, blubberte im Hintergrund ein Elektro-Beat und The Admirals feat. Seraphina rappten »Der Bass macht dich nass, denn der Bass treibt so krass«. Neulich, zum Geburtstag, gab’s augenzwinkernd eine Doppel-CD mit den Techno-Schlagern von Alexander Marcus geschenkt. Und vor ein paar Monaten, auf dem Betriebsfest, tanzten Damen und Herren in Abendgarderobe zu »Krawall und Remmidemmi« von Deichkind. 

Kurz: wenn mein Leben irgendein Indikator ist, dann ist die Zeit von Juli, Silbermond und Revolverheld vorbei – und der gesellschaftliche Mainstream musikmäßig wieder schwer in Richtung neunziger Jahre unterwegs. Allerorten laufen solide bumsende Beats und Klamauk-Lyrics, überall wird ein gänzlich unintellektueller Hedonismus wieder okay gefunden – so wie damals, als sich H.P. Baxxter noch nicht als Dada-Künstler rechtfertigte und Captain Jack noch am Leben war.

Nur konsequent also, dass Tapete Records jetzt »Ultimate Trasher Vol. 1« veröffentlichte. Das Hamburger Label hat mit den »Müssen alle mit«-Compilations schon den Indie-Rock institutionalisiert, bevor die besagten Juli et al die harmlose Gitarrenmusik in den Mainstream trugen. Jetzt folgt die Sampler-Reihe zum nächsten großen Ding – dem Trash-Pop.

Zu schade ist sich Tapete Records dabei für nichts: Die auf »Ultimate Trasher Vol. 1« vertretenen Bands tragen Namen wie Fledermannkackaffen und Schnuffel das total süße Eichhörnchen, die Songs heißen »Die Nackte auf der Penis-Rakete« und »Leidenschaft in Darmstadt« und Textzeilen gehen so: »Malzbier trinkt man pur und kalt / dann wird man hundert Jahre alt«

Musikalisch handelt es sich bei »Ultimate Trasher« – anders als bei The Admirals, Alexander Marcus und Deichkind – jedoch nicht nur um schlechten Techno: der Sampler enthält Stücke, die an Berlin-Rap, Liedermacher-Mucke, Hard-Rock und Helge-Schneider-Hörspiele erinnern. Auffällig ist, dass der post-pubertäre Spaß offenbar eine sehr männliche Baustelle ist. Frauenstimmen hört man nie, auch auf den Bandfotos auf MySpace sind fast ausschließlich Kerle zu sehen. In ihren Texten werden immer wieder die Insignien retrosexueller Männlichkeit ironisiert: es geht um Bier und Bratwurst, um Sex und körperliche Gewalt. Dass zwischendurch die Namen Pierre Briece und Pierce Brosnan fallen, überrascht da keineswegs.

Und obwohl Trash draufsteht: Richtig schlecht oder gar unlustig ist das alles nicht, sondern eher eine Fortsetzung eines (typisch Hamburgischen?) Humors, der schon bei Fischmob und Fünf Sterne Deluxe zu Tage trat. Wem deren Alben »Power« und »Sillium« auch zwischen den Hits gefielen, der dürfte auch an »Ultimate Trasher« Gefallen finden. Damals wie heute gilt: Rauschmittel helfen.

Wenn das »Vol. 1« im Titel der Compilation nicht nur ein Witz ist, dann freue ich mich auf Nummer Zwei. Die nächste Party scheint gerettet: Meine Freunde, Kollegen und Friseure lieben diesen Quatsch schließlich auch.

LABEL: Tapete Records

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 28.11.2008