Secret Machines
Secret Machines
Text: Frank Lachmann
Die Secret Machines veröffentlichten bisher relativ regelmäßig im Zwei-Jahres-Takt ihre Alben – »Now Here is Nowhere« 2004, »Ten Silver Drops« 2006, und jetzt (US-Release noch 2008) das dritte, selbstbetitelte. Von diesem Rhythmus ließ man sich offenbar auch nicht durch den Weggang Benjamin Curtis’ ablenken, der sich seit Anfang 2007 mehr auf sein Projekt School Of Seven Bells konzentrieren wollte, und der kurze Zeit später durch Phil Karnats im Trio der Secret Machines ersetzt wurde.
Musikalisch allerdings erweckt das neue Album nun in der Tat nicht unbedingt den Eindruck, als sei es aus einem Guss entstanden. Waren die Vorgänger noch mehr oder weniger eindeutig dem Space Rock zuzuordnen, gab es auch immer wieder Vergleiche mit Pink Floyd oder gar Led Zeppelin, so sind auf der neuen CD die elegischen und monumentalen Rock-Werke nur noch in Ansätzen, in einzelnen Ideen zu finden. Das fängt bei der Länge der Tracks an, die nur noch selten die 5-Minuten-Marke überspringen, und endet noch nicht bei der Durchhörbarkeit, die sich nicht so recht einstellen will. Der Opener »Atomic Heels« beispielsweise könnte – was den prinzipiellen Gitarrensound, überlagert von elektronischen Effekten sowie den mehrstimmigen Gesang angeht – durchaus ein Song von Archive sein, wenn er mehr als nur eine Refrain-Idee auf dreieinhalb Minuten zu bieten hätte. Das darauffolgende »Last Believer, Drop Dead« wirkt sofort, als wäre es von einer anderen Person als Brandon Mason produziert, nämlich viel klassischer ›rockend‹, als hätte die Band eine Farmer-Boys-Platte (oder doch wenigstens die Manic Street Preachers) covern wollen.
Bei manchen Songs funktioniert der Sound ganz wunderbar, bei anderen eher nicht, und was irritiert, ist nur der stetige Wechsel zwischen den Stilen und Stimmungen: als würde die Platte ›gewollt ungewöhnlich‹, absichtlich wirr sein wollen. Wenn bei »Have I Run Out« alles nach Post-Rock schreit (nicht nur, weil er mit knapp über siebeneinhalb Minuten der immerhin zweitlängste Track auf dem Album ist) und diese Stimmung mit dem schnelleren, konventionelleren »Underneath the Concrete« gleich wieder getötet wird. Wenn in »Now You’re Gone« über Sound und Lyrics zwar eine eigenartig tragische, melancholische Stimmung aufgebaut wird, jener dann aber die postrockige Dramaturgie in der Komposition fehlt. Was bleibt, ist wieder nur die Idee.
In gewisser Weise sind mit »The Walls are Starting to Crack« und »The Fire is Waiting« aber auch echte Highlights auf dem Album enthalten. Ersteres, weil es sich – nicht unbedingt im Sinne von Space Rock, sondern eher krautig-experimentell – an Klänge wagt, die man von den Secret Machines nicht erwartet hätte, nämlich Industrial-Anleihen (zwar nicht aus dem Noise, aber doch in einer Art Nine-Inch-Nails-Industrial) und Euphorie und Lautstärke, als habe sich irgendwo ein Knoten gelöst. Und letzteres, weil es mit über elf Minuten als Abschluss des Albums dann doch noch ein kleines, beeindruckendes, episches Werk ist, bei dem sich dann doch noch Stimmungen entladen und sinfonische Elemente auszumachen sind, für das sich die Band Zeit lässt um eine Komposition zu entwickeln, und das noch den einen oder anderen Eindruck von Space Rock hinterlässt, weil sich ganz automatisch die entsprechenden Bilder von großen Bühnen mit Nebel und Laser dazu einstellen. Roger Waters würde lächeln.
LABEL: World’s Fair Records / Cooperative Music
VERTRIEB: Universal Music
VÖ: 09.01.2009

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