Zehn besondere Songs

Singles, Albumtracks, Radiosessions, Musik aus dem Netz

Text: Die Redaktion

Mit der Reihe »Besondere Songs« versucht die Spex-Redaktion in jeder Ausgabe einen Überblick über wichtige Musikstücke zu geben, die aus der Flut der Single- und Albumveröffentlichungen herausragen, die man im Radio oder im Internet zu hören bekam, und die neben ihrer musikalischen Originalität für die Redakteure von Spex eine Bedeutung haben. Die Singles, Albumtracks, Radiosessions und Musiken aus dem Netz aus Spex #318 kompilierten und kommentierten Jan Kedves, Martin Hossbach Max Dax, Walter Wacht und Wibke Wetzker.

D. Lissvik - 7 Trx + IntermissionD. Lissvik: »Track 6«
aus dem Album »7 Trx + Intermission« (Information)

Nachdem die Schweden von Studio in den letzten 18 Monaten Gott, die Welt und Kylie Minogue remixt haben (nachzuhören auf »Yearbook 2«), hat zumindest Dan Lissvik Zeit gefunden, unter eigenem Namen neue Stücke aufzunehmen, die eine feinstofflich reduzierte Variante des unverwechselbaren Studio-Trademark-Sounds, also eines extrem verlangsamten Balearic-Prog-Raves, darstellen. Als großer Factory-Fan sorgte Lissvik für ein Artwork, das sich knietief vor Peter Saville und Factory verbeugt.

Deastro: »Kurgan Wave Number One«Deastro: »Kurgan Wave Number One«
www.myspace.com/deastro

Unveröffentlichter Song des frischen Ghostly-Signings aus Detroit. Der 22-jährige Randolph Chabot Jr. liebt Hermann Hesse ebenso wie Comic-Heldentum und veröffentlichte im November sein Album »Keepers« mit Dream-Wave Electronica à la M83. Chabots üblichen Hang zum Psychedelischen lässt dieses Stück Synthie-Pop im unsentimentalen Andenken an die frühen Erasure oder Pet Shop Boys souverän hinter sich.

Tony Humphries Moments in HouseGlenn Underground: »Future Shock«
aus der Mix-Compilation »Tony Humphries – Moments in House« (Ministry of Sound / Import)

Ministry of Sound besinnen sich auf ihre musikalischen Roots (und auf die Ü-30-Käuferschaft, die hübsch verpackt diejenigen Tracks im Regal absortieren will, zu denen sie ihre Jugend verpeilte). Tony Humphries, der Pate des New-Jersey-Deep-Sounds, packt eine 1993 auf Djax-Up-Beats erschienene 12“ aufs Deck, und »Future Shock«, B-Seite Track 2, klingt auf einmal so afrofuturistisch aktuell, sternenstreicherbeseelt und untypisch für das, was Jazzdudelmeister Glenn Underground sonst so fabriziert hat, dass man es prompt mit der Tränendrüse zu tun kriegt.


Mark E. Smith / Ed Blaney - Smith and BlaneyMark E. Smith / Ed Blaney: »Ludite«

aus dem Album »Smith and Blaney« (Voiceprint / RTD)

Den zentralen Song auf »Smith and Blaney«, einer im Oktober erschienenen, albumlangen Kollaboration zwischen Mark E. Smith und seinem gelegentlichen Manager Ed Blaney, gibt es gleich in zweifacher Ausführung: »Ludite #1« besteht aus einem treibenden, von einem echten Trommler gespielten 2-Step-Beat, Genuschel und Gemurmel. »Ludite #2« kommt mit etwas weniger Electronica-Gezischel daher, dafür ist die Akustikgitarre etwas aggressiver in den Vordergrund gemischt. Einzuordnen genau in dem bis eben noch leeren Fach zwischen The Fall und Von Südenfed.

Hands On ScooterRaf & Superdefekt feat. Schorsch Kamerun: »Sexzwerg (Ich schwirre)«
von der Maxi »Pudel Produkte 8« (Nobistor / Kompakt / Word and Sound) bzw. der Compilation »Hands oN Scooter« (Sheffield ( Edel)

Was für ein prächtiges Stück Vinyl! M.F.O.C.s Raf und sein Pudel-Kompagnon Superdefekt nehmen sich für die achte Auflage der Pudel-Produkte-Reihe, voll autorisiert, mit Schorsch Kamerun Scooter an und verarbeiten viele, wenn nicht sogar alle Texte H.P. Baxxters, ins Deutsche übersetzt, in einem Hi-NRG-Aufwasch. Dazu beackert Richard von der Schulenburg Otto Waalkes’ »Dupschek« und DJ DC Schuhe covert »Hier kommt Alex« von den Toten Hosen.

Reverend GreenReverend Green: »Be Good to Earth this Season«
von der Single »Be Good to Earth this Season / Wolfie’s Christmas« (Paw Tracks)

Warum das Feld immer nur jenen überlassen, die man durch das ganze Land fährt? Reverend Green, Tourmanager von Animal Collective, hat gemeinsam mit Antony Hegarty und Kria Brekkan einen erfreulich todernsten Weihnachtssong aufgenommen. »Be Good to Earth this Season« eiert mit einem verschleppt-verzerrten Streicherloop vor sich hin, Hegarty und Brekkan bejammern schwer verständlich den kümmerlichen Stand des Planeten, im Hintergrund knackst das Schellack, nicht das Kaminfeuer.

SchwefelgelbSchwefelgelb: »Kleine Sylvia«
aus dem Album »Alt und Neu« (Tapete / Indigo)

Wie die Percussions hier schepp sitzen, wie drunter die Bassbox knarzt, wie im Refrain die Plastikcelli sentimentaler nie buttern könnten: All das ist schon grandios. Doch dann lässt Sid auch noch mit lässiger Nachlässigkeit das Reimen sein: »Kleine Sylvia, ich muss gehn / Lass die schweren Gedanken vergehn / Ich will nicht noch ein Stück mit dir gehn / Es ist soweit, ich muss jetzt gehn«. In diese Kostprobe einer genial neuen Art des Textens, die man »Immergleich-Reim« nennen sollte, packen Schwefelgelb das ganze, Teenagern wohlbekannte Drama kurzer Liebe.

Station 17 & Von SparStation 17 feat. Von Spar: »Geister«
von der Single »Die Goldstein Variationen #2« (17 rec. / Cargo)

Gemeinsam mit anderen Künstlern – hier: Von Spar – haben die Hamburger Station 17 die Singlereihe »Die Goldstein Variationen« eingespielt. Im Track »Geister« ruft Sänger Andreas Lehrke in dAdAistisch anmutender Repetition die Untoten an. Zunächst erklingen nur das ungepflegte Gebell eines Strassenköters über fluktuierenden Synthieflächen, bald mündet der Track in einer zackig wummernden Bassdrum. Aus dem Off hallt Gelächter, ein Glockenspiel erklingt aus der Ferne, gepaart mit dem knackigen Schlagzeugspiel entsteht ein eiskalt fesselnder Sog.

ThunderheistThunderheist: »Jerk It«
aus dem Album »Thunderheist« (Big Dada / Ninja Tune)

Neues kanadisches Signing auf Ninja Tunes’ Hiphop-Sublabel Big Dada und vielversprechender Vorbote eines Albums, das im Februar erscheinen wird. Wir denken an Erick »More« Morillos Reel 2 Real und dessen »I Like to Move It« und an Technotronics »Pump Up the Jam«, ergänzt um eine gehörige Portion Electrocrunk, Booty Bass und Southern Bounce. MC und Sängerin Isis singt über dem Soundbett des Produzenten Grahmzilla über, nun ja, ›Abgehen‹. »Let them know you’re worth it / Dust it off and jerk it …«

Spex-CD #82Viktor Marek feat. Ed Keylocko: »This Land Will Change«
(Staatsakt / Indigo)

Aus der Asservatenkammer von Maurice Summens Staatsakt-Imprint erreichte uns dieses elegant bouncende Hanseaten-Agitprop-House-Stück von St. Paulis Timbalandmatthewherbert Viktor Marek, der uns gerade noch mit seinen Beatprogrammierereien auf Jacques Palmingers Soloalbum beglückte. Gastsänger: der mexikanische Entertainer Ed Keylocko, der von der Unterdrückung seiner Landsleute in den USA berichtet. Er meint: Dieses Land wird sich ändern. Aktueller denn je, exklusiv nachzuhören auf der Spex-CD.

Die Spex-Reihe »Besondere Songs« ist an jedem letzten Dienstag des Monats ab Mitternacht auf ByteFM zu hören – die Playlisten finden sich hier (28.10.2008) und hier (25.11.2008). Die nächste Sendung mit frischer Musikauswahl findet in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 2009 statt.

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2 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Von Spar:

    [...] Kaufmanns« an der Schaubühne liefern. Von Spar lagen danach brach: Einige wenige Shows, eine Kollaboration mit Station 17 und zuletzt die Single »HyBoLT« – mehr hörte man nicht von den Kölnern [...]

     
  2. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Maisbrot und Kutscherpeitsche:

    [...] Print-Spex-Leser wissen quasi schon seit dem Frühjahr 2009 Bescheid: Im Rahmen der »10 besonderen Songs« aus Spex #318 wiesen wir darauf hin, auf der beiliegenden Spex-CD hörte man [...]

     
 
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