El Guincho

Alegranza

Text: Detlef Diederichsen

Würden Animal Collective, unter dem Einfluss einiger bunter Getränke oder launehebender Spaßdrogen spontan beschließen, eine saftige Partyplatte aufzunehmen – sie klänge womöglich wie das Debüt von El Guincho. Der Mann heißt eigentlich anders, wurde auf den Kanaren geboren, studierte in Paris und lebt seit einiger Zeit in Barcelona. Irgendwann begann er damit, an Tracks herumzubasteln. Mit seinen – korrekt geklärten – Samples von Steel Drums, Hi-Life-Gitarren und Esquivel-Soundskulpturen, liefert das Album dabei einen interessanten Beitrag zur Diskussion über die Welt und ihre Musik. Die Texte sind auf Spanisch, am meisten werden obskure iberische Künstler aus den Siebzigern gesampelt – dennoch ist das Verhältnis des Künstlers zu diesen Elementen aus seinem geografischen Kulturraum nicht anders, nicht emotionaler oder sonst wie intensiver, sondern genauso exotistisch wie das zu den Klangquellen aus Westafrika oder Lateinamerika.

    So destilliert El Guincho aus all diesen Schnäpsen ein tropisch-buntes, verdammt hochprozentiges Universalgebräu, das womöglich exzellent geeignet ist, die perfekte Strandparty zu ihrer verdienten Klimax zu führen. Es mag an seinem fortgeschrittenen Alter liegen, aber jedenfalls schätzt es der Rezensent durchaus, wenn das Intensitätslevel eines Albums auch mal nicht im roten Bereich liegt. El Guincho scheint das anders zu sehen: »Alegranza« – und so ein Albumtitel legt es nahe – ist, selbst wenn die BPM-Zahl mal aus Versehen heruntergefahren wird, die ganze Zeit auf ›max‹ komprimiert. Für sich genommen ist jeder Track durchaus intelligent, geschmackvoll und grundsympathisch, aber auf Albumlänge kommt früher oder später der Zeitpunkt, wo man denkt: Kommt jetzt noch eine Schicht mit Hi-Life-Gitarren dazu, kotze, implodiere oder übersteuere ich. Also, bei aller Tropen- und Traumstrand-Alegranza: File under Sommermusik für Partytiere, für echte Kerle und Bräute, die verdammt hart im Nehmen sind.

LABEL: XL Recordings / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 21.11.2008

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