Zwischen den Metropolen

Norman Palm

Text: Wibke Wetzker

Mit Cover-Versionen weckte Norman Palm überraschende Begehrlichkeiten. Wibke Wetzker weiß, wie der Singer/Songwriter aus der Blogosphäre dennoch PeterLicht und Nouvelle Vague als virtuelle Kumpels verlor.

Norman Palm

Norman Palm, studierter Kommunikationsdesigner, Labelbetreiber, Musiker, Netzwerker und nebenbei Mensch.

(Foto: © Norman Palm)

Deutsche Singer/Songwriter sind – anders als ihre schwedischen oder amerikanischen Kollegen – keine Exportschlager. Norman Palm könnte diesen Umstand ändern und auf dem Weltmusikmarkt bestehen. Er singt auf Englisch, verfügt über einen kosmopoliten Erfahrungsschatz und entspricht mit Hornbrille und introvertierter Suggestionskraft den ästhetischen Erwartungen an einen echten Vertreter seines Standes. Norman Palm ist talentiert, überzeugend und vermag es, Selbstvermarktung und Pop-Diskurs zusammen zu denken.

    Vor allem auf Myspace beweist der Berliner die Umtriebigkeit in eigener Sache. Dort tauchte Norman Palm erwähnenswerter Weise in der Topfriends-Liste von PeterLicht auf, was insofern überrascht, da Palm und Licht nicht gerade den künstlerischen Schulterschlag üben (Inzwischen mag Peter auch Motor Music lieber und Norman Palm ist aus der Freundesriege verschwunden.). Im Gegensatz zu PeterLicht heißt Norman Palm wirklich so. Seine politischen Themen wie etwa  Gender-Normen, Gentrifizierungsprozesse und Phänomene der Globalisierung allerdings verpackt Palm lieber ins Artwork und in Video-Clips, während Ex-Best-Buddy Licht sperrige Reflektionssongs zum Besten gibt, deren Bedeutung sich erst durch nähere Erklärung erschließt.

    Schöne Melodien dürfen bei Norman Palm auch einfach mal mit simpel gestrickten Texten, die von der Liebe handeln, unterlegt sein. Nur nicht im Anspruch verkrampfen, lieber die Leichtigkeit des eigenen Schaffens mit einem Augenzwinkern konfrontieren, wie im Song »Floating Around«:  »… And the people standing near / they don’t listen, drinking beer / to the sound of music floating around«

    Auch die Blogger-Community verhalf Norman Palm zu einem gesteigerten Bekanntheitsgrad, indem sie fleißig das Coverversions-Doppel »Girls Just Wanna Have Fun« vs. »Boys Don’t Cry« featurete, nicht zuletzt wegen der genderspezifischen Videointerpretationen von Malte Rettberg. Die Gegenüberstellung der Kulthits von Cindy Lauper und The Cure auf einer Konzept-Single entspricht durchaus der üblichen Praxis der Reanimierung von Songerfolgen in den ruhigen Fahrwassern des Downtempos. Besagtes Verfahren dient oft der ökonomischen Abschöpfung von Mehrwert. Das erkannte man auch beim Nouvelle Vague-Label Pias und bot Norman Palm einen Plattenvertrag für ein Cover-Album an. Norman erklärte darauf hin, die »Girls and Boys«-Geschichte sei eine Schnapsidee gewesen, wenn auch eine sehr gut funktionierende, und lehnte dankend ab. Lieber gründet er mit Freunden eine Plattenfirma und veröffentlicht neben eigenen Produktionen auch Musik, die ihm gefällt.

In unserer Videoübersicht finden sich die Musikvideos zu »Boys Don’t Cry«, »Falling«, »Girls Just Wanna Have Fun«und »In The City«, zusätzlich alle Stücke des Albums »Songs«.

VIDEO: Norman Palm auf YouTube

    Auf diesem Label Ratio Records hat Norman gerade ein Buch herausgebracht, dem liegt eine CD bei. Das Buch heißt »Songs«, ist in einer limitierten Auflage von 1000 Stück erschienen und wird nicht nur zu einer Rarität, sondern auch zu einem musikalischen Weihnachtsgeschenk der besonderen Art mit integrierter hübscher Verpackung avancieren. »Songs« ist daumendick und illustriert jeden Song, mal mit Comic-Kritzeleien des studierten Kommunikationsdesigners Palm, mal mit Schnappschüssen aus der privaten Fotosammlung Normans. Mit intuitiv zärtelnder Stimme begleitet sich Palm an der Gitarre selbst und streut ganz zeitgemäß auch Earcatcher wie Banjo, Trompete und Piano ein. Das hat nichts mit dem Liedermachertum in Deutschland zu tun, heftet sich vielmehr an die Fersen des internationalen Standards von Akustik-Barden des Indie-Genres. Und so spielt Palm im Vorprogramm von John Vanderslice und José González, erobert sich eine konstant wachsende Fan-Gemeinde zwischen den Metropolen Mexico City, Paris und Berlin und liefert ganz unbeabsichtig schon mal den Aufhänger für einen Werbespot des finnischen Ablegers von MTV.

    Tatsächlich ist es wohl so, dass Norman Palm gar nicht als deutsch wahrgenommen wird. Schade, sonst könnte die Musiknation mit ihm sogar als Export-Produkt kokettieren.

Am Samstag, den 13. Dezember, spielt Norman Palm nach einem Jahr ›on the road‹ bzw. im Flugzeug ein ›Zurück-zuhause‹-Konzert im Magnet Club, Berlin. Die 7" »Girls Just Wanna Have Fun / Boys Don't Cry« sowie die Buch/CD-Veröffentlichung »Songs« sind bereits erschienen (Ratio Records).

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