Diverse

Verve Remixed Christmas

Text: Nadja Geer

Die Geschichte des Remix im Pop beginnt in den sechziger Jahren in Jamaika. Die sogenannten »Versions« waren Instrumentalversionen populärer Ska-Songs, die von DJs unter Zuhilfenahme einfachster technischer Geräte gemixt wurden. Diese »Dubs« (von »Doubles«) waren bei den Tänzern beliebt. So kann man es also durchaus als  Reminiszenz an die Roots des Remix ansehen, wenn das britische Produzenten-Duo Yes King aus Billie Holidays »I’ve Got My Love to Keep Me Warm« einen Dub-Reggae machen.

    Die Verwandlung funktioniert auch jeden Fall, mehr noch: sie ist ein großer Spaß, wie fast alle neuen Mixe auf dieser Weihnachtskompilation von Verve Records. Das amerikanische Jazz-Label, gegründet in den fünfziger Jahren, verfügt über einen grandiosen Backkatalog und ein gutes Händchen, was die Produzenten und DJs angeht, von denen sie ihre Klassiker neu abmischen lassen. Man kann die »Verve Remixed«- Reihe, die vor sechs Jahren ins Leben gerufen wurde, schon fast als legendär bezeichnen. Und auch bei dieser Weihnachtsplatte wurde wieder alles richtig gemacht. Die britischen Meister-Remixer The Orb auf Louis Armstrongs »What a Wonderful World« anzusetzen scheint zwar gewagt, aber der solide Schnulzenkorpus dieses Songs wird durch die Zischgeräusche der Erfinder des Ambient House nicht zum Einstürzen gebracht. In Anlehnung an ihren Albumtitel von 2005 könnte dieser Track ebensogut »Okie Dokie, it’s Louis Falling Into an Electric Hotpot But Staying Alive« heißen.

    Der gelackte Popappeal des Covers – eine Lady im fünfziger-Jahre-Look sitzt auf einem über und über mit amerikanischen und britischen Flaggen bestückten motorisierten Skischlitten – spiegelt den Mangini vs. Pallin-Mix von Ella Fitzgeralds »What are You Doing New Years Eve?« wieder. Die beiden Briten haben Jazz, Pop und Soul zu einem soften Vintage-Stück amalgamiert – automatisch fühlt man sich an einen Film aus den sechziger Jahren erinnert, ein Liebespaar im Central Park, Schneeflocken fallen auf ihre kunstvoll hochtoupierte Frisur und sie fragt ihn: Baby, was machst du eigentlich an Sylvester?

    Acid Jazz wurde bekanntlich auf der Insel geboren, und wem die Propellerheads vor nunmehr auch schon elf Jahren und ihre Fassung von Shirley Bassseys »History Repeating« zu Mainstreamkonform waren, der wird auch an dieser Kompilation keine Freude haben. Indie spielt auf diesem Tonträger keine Rolle, im Gegenteil: Pop-Potpouri trifft es besser. Keine Angst vor neuen Einflüssen, es ist immer alles im Spiel. Bewegung ist der Oberbegriff, der all diese Remixe bündelt, die jeder auf seine eigene Art etwas in Gang setzt – und sei es nur die eigenen Füße, während man um den Weihnachtsbaum tanzt. Sehr empfehlenswert.

LABEL: Verve

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 07.11.2008

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