Eine harmonische Sinnlichkeit

Herman Dune

Text: Marco Frenzel

Herman Dune verweisen mit ihrem neuen Album auf Mexiko und die kalifornische Musikkultur der späten sechziger Jahre. Musik für Stadtneurotiker wie sie selbst, ein bisschen Kitschigkeit inbegriffen. Nun kommen sie gemeinsam mit Get Well Soon und Port O’Brien auf Deutschland-Tour.

Herman Dune

Das Geschwisterpaar David-Ivar (links) und Néman Herman Dune: zwei Romantiker vor dem Herrn.

(Foto: © City Slang)

Wer Herman Dune nicht kennt, wird kaum glauben, dass Poesie und Ironie so gut zusammengehen. Aus diesen Spannungsfeld erschaffen die verbrüderten Herren Dune seit 1999 kleine Pop-Perlen. Sie pflegen einen spielerischen Umgang mit ihren Verwandtschaftsverhältnissen und nationaler Identität – alles im Sinne poetischer Vieldeutigkeit natürlich. Nachdem man sie lange als schwedische Band mit jüdischen Wurzeln und Hauptwohnsitz in Frankreich geführt hatte, sei hier einmal klargestellt: Herman Dune sind eine französische Band mit momentaner Residenz in New York, Schlagzeuger Néman ist der Cousin, nicht der Bruder von David-Ivar und André. Mit ihrem letzen Album »Giant« wurde ihr verspielter Folk mit den eingängigen Melodien auch einem breiterem Publikum bekannt. Kurz nach den Aufnahmen verließ André die Band, zog nach Berlin und verfolgte seine Solo-Karriere unter dem Pseudonym Stanley Brinks.


    »Wir vermissen André und sein Gitarren- und Saxophonspiel, aber die Veränderung war für uns auch ein kreativer Prozess«, erzählt Néman. Aus dem Trio wurde ein Duo, David-Ivar war somit alleine für das Songwriting verantwortlich. Das aktuelle Album »Next Year in Zion« wurde so deutlich homogener, lässt aber auch etwas von der Dr. Jekyll & Mr. Hyde-Divergenz vermissen, welche die vorherigen Alben der beiden Brüder oft auszeichneten. Doch auch ihr mittlerweile achtes Studio-Album strahlt diese harmonische Sinnlichkeit aus. An Songs wie »My Home is Nowhere Without You«, »My Best Kiss« oder »On a Saturday« kann man sich wunderbar wärmen und an kalten Regentagen die sommerliche Brise Südfrankreichs und der amerikanischen Westküste spüren. Genau dort sind die Songs auch entstanden: während ihres Aufenthalts in Kalifornien schrieben sie den Großteil der Songs, aufgenommen wurde das Album dann in Frankreich. Textlich wie musikalisch sind die Stücke daher eng mit den Orten verbunden, an denen sie entstanden. So findet man in den Texten Herman Dunes stets Verweise auf Städte oder Orte, die trotz ihrer Einzigartigkeit universell verständlich sind und beim Hörer eigene Assoziationen auslösen.

    Diese Bilder hatten auch David-Ivar und Néman während ihres ersten Trips an die Westküste im Kopf: »Als wir nach Kalifornien gingen, stellten wir uns diesen abgehobenen hedonistischen Ort vor, wie Woody Allen ihn in »Annie Hall« zeigte. Als wir wieder nach Europa gingen, nahmen wir den geheimnisvollen, romantischen Blick für die Landschaft und Menschen mit, so wie ihn Alfred Hitchcock in vielen seiner Filme gezeigt hat«, beschreibt David-Ivar seine Eindrücke der Reise.


    Musikalisch verweisen einige Tex-Mex-Anleihen und die famosen John Natchez Bourbon Horn Players (Arcade Fire, Beirut) auf die Nähe zu Mexiko und kalifornischer Musikkultur der späten sechziger Jahre. Textlich bewegt sich David-Ivar weiterhin in seinem ganz persönlichen Kosmos aus alltäglichen Beobachtungsreflektionen und der Verehrung seiner Liebsten. Die Brüder trauen sich für »Next Year in Zion« viel – vor allem Mut zur Romantik. Liebeslieder mit viel Herz, Pathos ohne Kitsch – na, ein bisschen Kitschigkeit vielleicht doch, die aber stets wohl dosiert. Die Musik mit ihren liebevollen Arrangements aus Bongos, Bläsern und akustischer Gitarre und den elegischen Backround-Vocals der Babyskins macht beim Hören einfach glücklich. Wer diese Qualitäten zu schätzen weiß, wird es mit Herman Dune sicherlich auch werden.

In unserer Video-Übersicht finden sch das Video zur Single »My Home is Nowehere Without You«, sowie die Songs »My Baby is Afraid of Sharks« und »Lovers Are Waterproof«.

VIDEO: Herman Dune auf YouTube

»Next Year in Zion« von Herman Dune ist bereits erschienen (City Slang / Universal Music), ab dem 04. Dezember sind sie gemeinsam mit Get Well Soon und Port O’Brien auf Tournee.

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