Sunken Foal
Fallen Arches
Text: Kai Ginkel
Was man »Fallen Arches« zunächst kaum anhören mag, ist, dass es sich hierbei um ein äußerst schwieriges Album handelt. Fast leichtfüßig wirken zu Beginn die melodischen Tupfer, die sich im Folgenden aber nicht – wie erwartet – entfalten wollen, sondern immer ihrer sonderbaren Zurückhaltung verhaftet bleiben. Das erinnert hin und wieder an das charmante Ungeschick der High Llamas, findet hier aber in einem ausgenommen experimentellen Kontext statt, den Planet Mu sogar in die Nähe der charakteristischen Klangwelt von Christian Fennesz rücken möchte. Das freilich ist übertrieben, denn die Musik von Duncan Murphy, dem Kopf von Sunken Foal, wirkt weit weniger stark bearbeitet, klingt greifbarer und schlicht akustischer als die des österreichischen Touch-Elektronikers. Einen Sinn für das Idyllische und das Dunkle gleichermaßen teilen sie jedoch, und beide intensivieren sie diesen durch die Mittel der Verfremdung, Verschleierung oder – im Fall von Murphy – ganz schlicht durch die Verstimmung der Mandoline, die als tragendes Instrument zum Einsatz kommt.
Neben der verhaltenen, manchmal geradezu schrulligen Melodik sind die Rhythmen ein weiterer Stolperstein, dem man bei der Auseinandersetzung mit »Fallen Arches« begegnet: Verwurzelt scheint die Musik zu großen Teilen in einer Beat- und Klangästhetik, die an die Warp-Releases der frühen nuller Jahre erinnert, z.B. an »Double Figure«, das letzte brauchbare Plaid-Album von 2001. Fast muss man sich fragen, wie sehr einen Murphy mit seinen Stücken wohl berührt hätte, wäre der vorliegende Longplayer nur acht Jahre eher erschienen. Das ist er nun leider nicht, und so ertappt man sich dabei, wie man der Musik von Sunken Foal mit einem fast nostalgischen Wohlwollen begegnet. Die einzelnen Stücke sind zudem sehr Song-artig strukturiert und wecken dadurch ein um so größeres Verlangen nach Eingängigkeit, das Murphy schlicht und einfach nicht befriedigen will – oder kann? Schwer zu sagen! Selbst bei den gelegentlichen Gesangseinlagen erscheint diese Musik in all ihrer oberflächlichen Greifbarkeit stets sonderbar distanziert. Wer das negativ ausdrücken möchte, mag das zweitklassig nennen. Es hat nach eingehender Beschäftigung aber auch etwas Geheimnisvolles, etwas Lohnenswertes, das die Klangarbeit hinter diesem Album als gelungen und oftmals auch als überaus originell auszeichnet.
Duncan Murphy ist hiermit also ein forderndes, alles andere als leichtes Stück Musik gelungen. Wenn in »The Rotunda« zudem plötzlich ein besonders eindringliches Sample aus Jack Claytons genialem Horror-Klassiker »The Innocents« auftaucht, gibt er Preis, dass sich hinter der eigenartigen Stimmung von »Fallen Arches« vermutlich durch und durch Methode verbirgt – nicht makellos, aber spannend.
LABEL: Planet Mu
VERTRIEB: Neuton / NTT
VÖ: 18.11.2008

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