Matthew Dear
Body Language Vol. 7
Text: Carlos de Brito
Den Berliner House-DJ Dixon für eine Mix-CD zu gewinnen, war vor rund eineinhalb Jahren ein ziemlicher Coup für Get Physical. Nicht nur, weil der Mix sehr gut war bzw. ist und den test of time bis dato bestanden hat; man hatte damit auch die zu jener Zeit noch versteiften Fronten zwischen – grob gesagt – House- und Techno-Szenen mit aufgelockert und bei manchem für eine interne Überprüfung und Restrukturierung seiner eigenen Label-Vorlieben gesorgt.
Matthew Dears Arbeit für diese Reihe macht genau dort weiter, aber auf einer anderen Ebene. Bei ihm ist es weniger verwunderlich, dass er einen Mix für Get Physical abliefert, schließlich ist Techno ihm nicht fremd. Erstaunlich ist aber, wie er Deephouse und Minimaltechno zu einem kohärenten Ganzen verzahnt. Sein atmosphärisch sehr dichter Mix weist keinen linearen Verlauf auf, sondern wogt hin und her zwischen Deephouse-Edelsteinen wie zum Beispiel von Kid Sublime, Even Tuell und Soulphiction und minimalen Spulen von DJ Koze und Radioslave. Auch dem ungeschriebenen Mix-Diktat keinen Künstler doppelt zu featuren beugt sich Dear nicht. Neben dem doppelten Koze darf Johnny D mit »Orbitallife« und »Tramodyssee« eine rund zehnminütige Strecke mit wieder in Mode gekommenen Loop-House bestreiten.
Wenig überraschend ist hingegen Dears Vorliebe für Gesang und Stimmen. Spätestens seit seinem großen Wurf »Asa Breed« ist bekannt, dass er bei Veröffentlichungen unter seinem bürgerlichen Namen – im Gegensatz zu seinen brachial-fräsenden Brettern als Audion oder seine minimal-mysteriösen Produktionen als False – den verstärkten, eigenen Stimmeneinsatz nicht scheut. Nun, ganze Sätze finden sich bei »Body Language Vol. 7« nur in einigen Stücken wieder – u.a. von Kalabrese, Two Armadillos und Matthew Dears exklusiven Beitrag zur Compilation, »Free To Ask« – aber dafür huschen unentwegt aus allen Ecken Vokal-Fragmente; mal mantraartig als Soundschleier, mal als weit im Hintergrund gemischter, atmosphärischer Partylärm, mal als bis zur Unkenntlichkeit zerschnippselte Rhythmuselemente.
In dieser erweiterten Umsetzung seines Konzeptes im Umgang mit Vocals als Produzent hin zu seinem Schaffen als DJ (unter bürgerlichem Namen) liegt – neben der brillianten Auswahl an Tracks und dem guten Mixing – der eigentliche Clou dieser CD. Und das kann man ohne Zweifel einen gelungenen Coup nennen.
LABEL: Get Physical
VERTRIEB: RTD
VÖ: 24.10.2008

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