Trentemøller

Live In Concert EP - Roskilde Festival 2007

Text: Kai Ginkel

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Konzertaufnahme steht im Bereich der elektronischen Musik nach wie vor unter einem außergewöhnlich großen Rechtfertigungszwang. Zugleich bietet sich hier jedoch ein ausgesprochen hohes Maß an künstlerischer Freiheit: Noch nicht einmal der Einbezug von Applaus ist schließlich obligatorisch, und ganz allgemein betrachtet geht es selten um eine Darstellung von Authentizität, wie sie dem klassischen Live-Album (zumindest in der Idee) oft eigentümlich ist.



    Insofern ist es interessant, dass Anders Trentemøller kaum zwei Jahre nach dem überragenden Erfolg von »The Last Resort« tatsächlich einen einigermaßen strengen, altbewährten Rahmen wählt, um seinen Auftritt auf dem Roskilde Festival 2007 zu präsentieren: So fällt die Hauptrolle in den ersten Minuten der Aufnahme fast mehr dem Publikum als dem Produzenten und seiner Band zu. Die Zuschauer produzieren ein ungeheuer mitreißendes Geplärr, unter dem sich der spannungsreiche Aufbau von »Take Me Into Your Skin« gleich doppelt dramatisch entfaltet. Besonders eindrucksvoll kommen unter diesen Bedingungen auch im Folgenden diejenigen Stellen zur Geltung, an denen der Jubel die musikalisch ruhigeren Episoden fast vollständig ausfüllt oder sogar bedeckt. Die Mischung aus Henrik Vibskovs Bassgitarrenspiel und Applaus zu Beginn von »Into The Trees« ist etwa ein wahrer Hochgenuss.

    Außerdem gut gelöst: Bevor das vorliegende Dokument fad werden kann, ist es nach vier beeindruckenden Stücken auch schon wieder vorbei. Unter diesem Aspekt wirkt es leider fast wie ein Akt der Verlegenheit, dass der »Live In Concert EP« als Bonus noch drei Remixes hinzugefügt wurden. Keiner von ihnen ist schlecht, und die fast jazzige Mikael Simpson-Version von »Moan« (auf Grundlage von Trentemøllers eigenem Vocal-Remix) kann man sogar als eine echte Bereicherung bezeichnen. Die Eigenständigkeit und Konsistenz der EP leidet allerdings merklich unter diesem netten, aber eben auch deplatzierten Zusatz.

LABEL: Poker Flat

VERTRIEB: RTD

VÖ: 24.10.2008

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