Erste Worte
Kristof Schreuf spricht über sein gerade entstehendes Soloalbum
Text: Kristof SchreufKristof Schreuf, früherer Sänger und Texter der Hamburger Bands Kolossale Jugend und Brüllen, wird im Juli 2009 sein Soloalbum auf Buback veröffentlichen. In der Spex-Reihe »Erste Worte« berichtet er von der sich in Entstehung befindenden Platte.

(Illustration: © Patrick Klose / SPEX)
Ich hatte lange keine Platte mehr gemacht, als der Regisseur Oliver Schwabe bei mir anrief. Er hätte für einen Film schon viel Material gedreht, doch bräuchte er zwischen einigen Szenen noch ›Brücken‹. Er wollte jemanden, der ein paar bekannte Pop- und Rocksongs singt. So kam es, dass ich in seinem Film auftauche und Coverversionen spiele. Meine Versionen hängen nicht mehr allzu sehr an den Originalen. Was ist überhaupt ein Original? Es lebt bekanntlich von seiner Verbundenheit zu irgendeiner Scholle. Man erkennt es an seinem Gehabe oder seinem Gerede. Zugute kommt dem Original die allgemeine Übereinkunft, dass man es gewähren lassen soll, weil es zwar skurril, aber gerade deswegen doch liebenswert sei. Man verzeiht ihm vieles. Denn das Original ist ein Dorftrottel der Kultur. Leute, die mich in dem Film gesehen haben, fragten mich: »Wenn du die Musik so veränderst, warum nicht auch den Text?« Das möchte ich nicht. Ich mag es, wie sich durch die Bearbeitung der Klang der Worte zu Patrick Hernandez’ »Born To Be Alive« verändert: Der Text wird so der Luxus, den sich ein Stück leistet.
Einige Zeit nach Olivers Anruf tat der Künstler Daniel Richter etwas, wozu er etwa alle zwei Jahre Zeit findet: Er machte den Fernseher an, und es lief gerade Olivers »My Generation – der Soundtrack der Revolte« mit meinen ›Brücken‹. Daniel erzählte der Theaterregisseurin Angela Richter davon. Angela probte gerade mit der Schauspielerin Eva Löbau eine Antwort auf die Frage, welche Rolle die Kunst in der Demokratie spielen könnte. Die Antwort hatte zuvor der Lacanist Slavoj Žižek gegeben. Eva spielte Angela, die wiederum Žižek spielte. Angela entschied, dass ich nach bestimmten Sätzen jeweils ein Lied spielen sollte. Neben Auftritten mit meiner Band Brüllen waren die Lecture Performances mit Eva und Yuri Englert unter Angelas Anleitung für mich die spannendsten Abende des Jahres 2007.
Noch etwas später sprach ich mit Friederike Meyer und Thorsten Seif über eine Veröffentlichung der Coversongs. Die beiden sind sehr umtriebig, gleichzeitig Betreiber des Independent-Labels Buback Tonträger und somit Helden. Denn der Betrieb eines Independent-Labels ist heutzutage politisch im Sinne guter Parteiarbeit. So kam es zur Zusammenarbeit mit Tobias Levin und seinem Assistenten Johannes Becker im Electric Avenue Studio in Hamburg – wo wir derzeit die Coversongs neu einspielen.
Ein Wort zu Tobias Levin: Er ist so was von anregend! Ich war schon in anderen Studios. Aber musikalisch war es noch nie so ergiebig wie bei ihm. Das merke ich zum Beispiel, wenn wir einem Gitarrenverstärker leichte Klapse versetzen, sodass ein zauberhaftes Gewitter austritt. Oder wenn wir ein Harmonium mit einem PPG Sound Wave 2000 Synthesizer ein Duett summen lassen. Oder wenn wir Gitarrensaiten mit Schaumstoff präparieren. Es entsteht schöne Begeisterung. Wie die klingt, wird in meinem Fall, davon gehe ich aus, den einen oder anderen ziemlich überraschen. Ich finde es superangenehm, mit Tobias etwas zu probieren, etwas hinzukriegen, oder, markig gesprochen: etwas auf die Beine zu stellen. Und überhaupt, ›sprechen‹: Tobias zuzuhören baut auf. Wenn Pop reden könnte, dann würde er reden wie Tobias Levin. Falls jemand bereits hundertprozentig weiß, was er bei der Aufnahme einer Platte tun, lassen, beachten oder vermeiden will, dann kann er sich auch an andere wenden. Es gibt nicht wenige Menschen, die eine tolle Platte machen können und sich das auch zutrauen. Nur brauchen manche von ihnen jemanden, der ihnen hilft herauszubekommen, wie sie das machen können. Sie sollten sich mit Tobias Levin verabreden.

TwitThis
Facebook
Buzz
del.icio.us
Google Bookmarks
Digg
Ping.fm
FriendFeed
Yigg
MisterWong.DE
Technorati
Netvibes
MySpace
Identi.ca
StumbleUpon




[...] bereits im September 2008 hieß es, sein Album stünde kurz vor der Fertigstellung. Damals schrieb Schreuf in der Spex-Rubrik »Erste Worte« über seine Arbeit an »Bourgeois...: »Das Original ist der Dorftrottel der Kultur. Leute, die mich in Oliver Schwabes Film [...]
[...] (mehr) Verfasst von kristofschreuf Eingeordnet unter Uncategorized Kommentar schreiben » [...]