Fujiya & Miyagi

Lightbulbs

Text: Nadja Geer

»Vanilla, Strawberry, Knickerbocker Glory / I saw the ghost of Lena Zavaroni«: Eine Textzeile, so könnte man auf Anhieb meinen, deren Schwachsinnsgehalt relativ hoch ist. Was haben Eiskremsorten, eine Hosenart, Ruhm, und der schottische Kinderstar Lena Zavaroni gemein?
 Die Hose bleibt ein Rätsel, was jedoch die in den siebziger Jahren sehr berühmte Lena Zavaroni und die Eiskremsorten verbindet, ist die Tatsache, dass sie wahrscheinlich im wirklichen Leben selten zusammenkamen: Zavaroni, deren unglückliche Kindheit im Rampenlicht ein bisschen an die von Michael Jackson erinnert, starb mit 33 Jahren Anfang der neunziger Jahre an ihrer Magersucht.


    »Lightbulbs« heißt das dritte Album von Fujiya & Miyagi, könnte aber »Light-Years« heißen, so wenig greifbar ist diesmal der Sound von David Best, Steve Lewis und Matt Hainsby und so flüchtig sind auch die Geschichten, die Best mit der für ihn charakteristischen Anti-Stimme, flüsternd und mit wenig Höhen und Tiefen, vorträgt. »Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens«, der Titel eines Buchs von Max Goldt, trifft haarscharf den nonchalanten Appeal des Album. Mit anderen Worten: Wer »Transparent Things«, F&Ms letztes Album, kennt, könnte ein bisschen enttäuscht sein. Nix mit Funk, wenig mit Krautrock. »Lightbulbs«, ebenfalls auf Herbert Grönemeyers Label Grönland erschienen, ist ein einfach gewebter Popteppich. Neben der Singleauskopplung, dem basslastigen »Knickerbocker Glory«, hören sich viele der Songs verdammt ähnlich an. Obgleich David Best davon singt, dass er kein »pussyfooting«, also Leisetreten, mehr betreiben will, scheint genau das sein musikalisches Programm.


    Dennoch: Die Subtilität hat Programm und funktioniert zumindest auf der textlichen Ebene. Nicht nur der Geist der armen Lena bringt längst Verdrängtes zutage, auch bei dem titelgebenden Song »Lightbulbs« kann man sich nicht wirklich sicher sein, dass er von den wenig aufregenden Gewohnheiten eines alterndes Pärchens handelt. Der leicht perverse Unterton kommt bei Fujiya & Miyagi durch die Aneinanderreihung von nuancierten Beobachtungen zustande, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Warum tritt beispielweise plötzlich eine dritte Person in die traute Langeweile von »Lightbulbs«, in dem es vordergründig um Glühbirnenwechseln und Abwaschen geht, und was hat es mit den durch Papier hervorgerufenen Schnitten in allen 10 Fingerkuppen auf sich? Wo ist hier der Schmerz und wo die Heilung?


    Was den unauffälligen musikalischen Sound angeht, setzen Fujiya & Miyagi diesmal auf die Zeit des Hollywoodfilms, nachdem sie sich benannt haben. 1984, als »Mijagi«, der Meister des »Karate Kid«, auf dem Zenit seines Ruhmes stand, gab es auch einen ähnlich flachen Synthiepop. Zwar tauchen funkige Gitarren auf und »Knickerbocker Glory« hat ein fantastischen Bass, aber der Loop als Stilprinzip wird auf »Lightbulbs« derart in den Vordergrund geschoben, dass dadurch fast eine Hitverweigerung resultiert. Heraus kommt ein Album, das zwischen Sublimität und Redundanz schwankt.

LABEL: Grönland Records

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 19.09.2008

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