Lehn/Schmickler

Acht Jahre sind vergangen seitdem Thomas Lehn und Marcus Schmickler ihr gemeinsames Debüt-Album »BART« auf dem damals noch aufstrebenden New Yorker Label Erstwhile veröffentlichten – eine kraftvolle Beschwörung elektroakustischer Klangtornados, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat und in Fachkreisen sogar den Ruf genießt, eine der eindruckvollsten Synthesizer-Improv-Darbietungen zu sein. Altbekannt ist auch Jim O’Rourkes Lobpreisung: Thomas Lehn sei einer der weltbesten Synthesizer-Spieler. Dass es sich bei Marcus Schmickler um eine ebenso talentierte Persönlichkeit handelt, beweist ein Blick auf seine Diskografie, die jenseits von Stil- und Genregrenzen angesiedelt ist. Die strengen Kompositionstechniken der Neuen Musik beherrscht Schmickler ebenso wie die kaleidoskopische Klanggrammatik nicht-akademischer Soundexperimente – mit seinem Projekt Pluramon erforscht er sogar das geheimnisvolle Rauschen des Shoegazer-Rocks. In den Zusammenarbeiten mit Lehn spielt er einen digitalen Synthesizer.


Lehn/Schmickler - Navigation im Hypertext    Das Aufeinandertreffen von analogen und digitalen Klangerzeugern manifestiert sich diesmal in einer Doppel-Veröffentlichung. Während »Kölner Kranz« das Moment klanglicher Ekstase zelebriert und dichte, sich unentwegt entwickelnde Klanggemische offenbart, die allerdings jederzeit transparent und nachvollziehbar bleiben, übt sich »Navigation im Hypertext« in geruhsamer Kontemplation. Musikalische Ereignisse können sich in aller Ruhe entfalten und werden von langen Pausen unterbrochen – nur selten kommt es zu Eruptionen. Besonders schön ist das siebte Stück, das wie eine elektronisch transformierte Adaption von Arvo Pärts Orgelwerk »Pari Intervallo« klingt.

    Gemeinsam ist den zwei Releases lediglich ihre Produktionsweise. Sie bestehen beide aus Archivaufnahmen von Konzerten, die das in Köln ansässige Duo über einen Zeitraum von 2004 bis 2006 spielte. Einzelne Fragmente wurden dann von Schmickler in seinem Studio Piethopraxis zu den hier vorliegenden Stücken zusammengefügt, denen weder die nötige Homogenität noch Spontaneität abhanden gekommen ist. »Kölner Kranz« und »Navigation im Hypertext« lassen somit auf eine fruchtbare Zusammenarbeit zurückblicken und zeigen, wie elektronische Klangforschung heutzutage zu klingen hat.

LABEL: A-Musik

VERTRIEB: A-Musik

VÖ: 26.09.2008

JUICE Magazin abonnieren
SPEX ABO
BESTELLEN
UND TOLLE
PRÄMIEN
SICHERN!

 
 
 
ZUM SHOP
spex_no366_final_cover_154px
DIE NEUE
AUSGABE &
BACK ISSUES
JETZT
VERSAND-
KOSTENFREI
BESTELLEN!
 
 
ZUM SHOP
Sunflower Bean

Beeinflusst von: allen – Sunflower Bean live / Ticketverlosung

Ritt durch die Rockgeschichte: Sunflower Bean kommen mit ihrem Album-Debüt nach Deutschland.

MaryOcher

Mary Ocher + Your Government »Mary Ocher + Your Government« / Review

Wie man Ochers Werk lesen muss? Wenn es keinen Ort gibt, an dem man sein kann, wie man will, muss man sich diesen Ort schaffen.

fastforward

Killt Streamingdienst den Plattenstar? Ein Plädoyer von Malakoff Kowalski

Die Diskussion um Streamingdienste wurde 2015 von Urhebern und Schallplattenliebhabern mit maximaler Intensität geführt und im Prinzip als ein Werk des Teufels begriffen. Unser Autor, seinerseits Schöpfer musikalischer Werke, ist gegenteiliger Meinung. Ein Plädoyer für Streaming.

_DSC4277_MarkusMilcke

Neue Katastrophen: Human Abfall mit neuem Album auf Tour / SPEX präsentiert

Noisiger Gitarrensound, knarzige Bassläufe und minimalistisches Schlagzeugspiel: Human Abfall thematisieren in ihrem lärmenden, klaustrophobischen Soundgerüst humanitäre Krisen und menschliche Katastrophen. Am 29. April erscheint das zweite Album Form Und Zweck, SPEX präsentiert die dazugehörige Deutschlandtour.

nevermen

Nevermen »Nevermen« / Review

Der vielstimmig mäandernde psychedelische Pop von TV On The Radio, verrührt mit Mr.-Bungle-Rock.

anothercity

Ankommen im Hier und Jetzt – Ausblick auf die Berlinale Shorts

Heute wurde das offizielle Programm der 66. Internationalen Filmfestspiele von Berlin vorgestellt. Die Berlinale Shorts präsentieren eine mutige Auswahl von Kurzfilmen aus aller Welt.

SPEX_Logo_1000er

Praktikum in der SPEX-Redaktion

Schwerpunkt Online: SPEX sucht ab März Verstärkung in der Redaktion.

diiv

Diiv »Is The Is Are« / Review & Vorabstream

Hier kommt die Wallfahrt des Konformismus eines geläuterten Williamsburgers.

Turbostaat

Turbostaat »Abalonia« / Review

Turbostaat wollen die Punk- und DIY-Wurzeln nicht ganz kappen, auch wenn es als Konzeptalbum angekündigt ist, das die gängigen Schemata überschreiten soll. Spagat geglückt?

Bildschirmfoto 2016-01-10 um 17.18.38

Einblicke in die Gegenwelt: »Projekt A« dokumentiert anarchistische Projekte in Europa

Projekt A ist ein Dokumentarfilm über die Idee der Anarchie und ihre konkrete Umsetzung in unterschiedlichen Projekten. An unterschiedlichen Orten in ganz Europa kommen Protagonisten einer anarchistisch inspirierten Szene zu…

MsJohnSoda

Ms. John Soda – Tour & Video »Sirens«

Ms. John Soda machen traurig und trösten im selben Atemzug.

Get_Well_Soon

Get Well Soon »Love« / Review

Auf Konstantin Groppers aktuellen Themenalbum werden wie im deutschsprachigen Raum zuletzt von der Gruppe Tocotronic im Indierock-Gewand nun im Indie-Chanson-Gewand viele verschiedene Aspekte der Liebe beleuchtet – ein wenig zu professionell und geschmackvoll.