Lehn/Schmickler

Text von Raphael Smarzoch
am 10. Oktober 2008

Acht Jahre sind vergangen seitdem Thomas Lehn und Marcus Schmickler ihr gemeinsames Debüt-Album »BART« auf dem damals noch aufstrebenden New Yorker Label Erstwhile veröffentlichten – eine kraftvolle Beschwörung elektroakustischer Klangtornados, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat und in Fachkreisen sogar den Ruf genießt, eine der eindruckvollsten Synthesizer-Improv-Darbietungen zu sein. Altbekannt ist auch Jim O’Rourkes Lobpreisung: Thomas Lehn sei einer der weltbesten Synthesizer-Spieler. Dass es sich bei Marcus Schmickler um eine ebenso talentierte Persönlichkeit handelt, beweist ein Blick auf seine Diskografie, die jenseits von Stil- und Genregrenzen angesiedelt ist. Die strengen Kompositionstechniken der Neuen Musik beherrscht Schmickler ebenso wie die kaleidoskopische Klanggrammatik nicht-akademischer Soundexperimente – mit seinem Projekt Pluramon erforscht er sogar das geheimnisvolle Rauschen des Shoegazer-Rocks. In den Zusammenarbeiten mit Lehn spielt er einen digitalen Synthesizer.


Lehn/Schmickler - Navigation im Hypertext    Das Aufeinandertreffen von analogen und digitalen Klangerzeugern manifestiert sich diesmal in einer Doppel-Veröffentlichung. Während »Kölner Kranz« das Moment klanglicher Ekstase zelebriert und dichte, sich unentwegt entwickelnde Klanggemische offenbart, die allerdings jederzeit transparent und nachvollziehbar bleiben, übt sich »Navigation im Hypertext« in geruhsamer Kontemplation. Musikalische Ereignisse können sich in aller Ruhe entfalten und werden von langen Pausen unterbrochen – nur selten kommt es zu Eruptionen. Besonders schön ist das siebte Stück, das wie eine elektronisch transformierte Adaption von Arvo Pärts Orgelwerk »Pari Intervallo« klingt.

    Gemeinsam ist den zwei Releases lediglich ihre Produktionsweise. Sie bestehen beide aus Archivaufnahmen von Konzerten, die das in Köln ansässige Duo über einen Zeitraum von 2004 bis 2006 spielte. Einzelne Fragmente wurden dann von Schmickler in seinem Studio Piethopraxis zu den hier vorliegenden Stücken zusammengefügt, denen weder die nötige Homogenität noch Spontaneität abhanden gekommen ist. »Kölner Kranz« und »Navigation im Hypertext« lassen somit auf eine fruchtbare Zusammenarbeit zurückblicken und zeigen, wie elektronische Klangforschung heutzutage zu klingen hat.

LABEL: A-Musik

VERTRIEB: A-Musik

VÖ: 26.09.2008

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