Superhund spielt Niedlich-Techno
Rex The Dog
Text: Florian SieversRex The Dog aus London belebt auf seinem Album »The Rex The Dog Show« mit Vintage-Synthesizern und schlauen Rave-Verweisen eine klassische Popstrategie.

(Foto: © Elke Meitzel / SPEX)
Rex war ein besonderes Tier. Er war superschnell, superstark und superintelligent. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte der weiße deutsche Schäferhund für das K-9 Geheimcorps der US Army, bevor er von einem Nazi-Spion getötet wurde. DC Comics veröffentlichte die bizarre Geschichte von »Rex The Wonder Dog« in den USA zwischen 1952 und 1959, in den späten Neunzigern tauchte der Superhund dann kurzzeitig in einer Comicserie mit dem tollen Titel »Superboy And The Ravers« wieder auf. Und irgendwann im neuen Jahrtausend fing er schließlich an, unter dem Namen Rex The Dog Poptechno-Platten auf Kompakt und Kitsuné zu veröffentlichen. Das »Wonder« hatte er fallen gelassen, er war jetzt nicht mehr schnell und stark, sondern rund und niedlich. Ihm zur Seite stand ein namenloser Homo sapiens, der am Mischpult aushalf.
Gleich die Vocoderhymne »I Look Into Mid Air« von der »Frequency«-EP wurde 2004 zu einem riesigen Clubhit. Rex The Dog produzierte schlaue Platten, geschult an britischem Dancepop und Rave, in den Tracks hallten S’Express und Yazz genauso wider wie 808 State und B12. Mit ihren Vocal-Splittern und weggedubbten Refrains klangen sie oft schon wie Remixe nicht existenter Originale, später folgten dann tatsächlich welche – unter anderem für Robyn, The Sound, Soulwax und Depeche Mode. Einige dieser Tracks und Remixes sind jetzt zusammen mit ein paar neuen Stücken auf der Anthologie »The Rex The Dog Show« auf Rex’ eigenem Label Hundehaus Records versammelt. Die Spekulationen darüber, wer denn nun hinter Rex The Dog stecke, schossen zwischenzeitlich ins Kraut, sie reichten von Mr. Oizo bis Mute-Chef Daniel Miller.
VIDEO: Rex The Dog - Album Minimix
Begibt man sich aber mal auf Spurensuche im Internet und in Archiven, dann landet man schnell bei dem Briten Jake Williams. Der Produzent hatte mit seinen Trance- und Progressive-Projekten JX und Mekka auf den Labels Hoj Choons und FFRR in den Neunzigern schon mal einen gewissen Erfolg. Anfang des neuen Jahrtausends fand sich Williams aber in einer ästhetischen Sackgasse wieder, er brauchte eine Neupositionierung – da kam ihm die hündische Comicfigur gerade recht. Williams – geboren 1974, aufgewachsen in Brighton, ein scheuer Typ, der alte Synthesizer sammelt und gerne zeichnet – verschwand hinter dem fiktiven Charakter. Interviewanfragen beantwortet er seitdem konsequent naiv in der Hunderolle. Demnach mag Rex Möwen und alles, was stinkt. Im Radio bellt er einmal für »Ja« und zweimal für »Nein«. Und zu seinen neuen Tracks dreht Williams Videoclips mit Handpuppen von Rex und dessen Freund Punk Monkey.
Das kann man infantil finden, es passt jedoch zum in den Industriestaaten um sich greifenden Trend zur Verkindlichung, der sich im Erfolg japanischer Animationsfilme bei Erwachsenen ebenso äußert wie in der allgemeinen Beliebtheit von Graffiti-Figuren im Kindchenschema. Zugleich ist das Abtauchen hinter einer Kunstfigur natürlich eine klassische Popstrategie, die nicht erst bei Kiss begann und bei den Gorillaz noch lange nicht am Ende war. So schlägt Jake Williams gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Alle kennen Rex, aber niemand erkennt ihn. Der Novelty-Effekt kann sich abnutzen, mag irgendwann sogar in Häme umschlagen – ohne dass ihn das persönlich kratzen müsste.
»The Rex The Dog Show« von Rex The Dog ist bereits erschienen (Hundehaus / Cooperative Music / Universal Music).

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