Diverse

Calypsoul 70 - Caribbean Soul & Calypso Crossover 1969-1979

Text: Burkhard Welz

Man mag es kaum glauben: die ersten Calypso-Veröffentlichungen sind auf das Jahr 1914 datiert. Wie so oft bei schwarzer Musik, gehen ihre Ursprünge auf die afrikanischen Sklaven zurück, die in den jeweiligen Kolonien der Karibischen Inseln (meist: Trinidad) mit dieser Musik ihr Schicksal besangen und damit ein Signum des Aufbegehrens und der Freiheit schufen. Nach Beendung der Sklaverei kam es im Zuge des importierten französischen Karnevals zu regelrechten Wettbewerben, die diese Musik auch außerhalb des Inselterritoriums populär werden ließen.

    Nun der – etwas gewagte – Sprung in die Siebziger: Ein Großteil der lateinamerikanischen Musik erfuhr in den siebziger Jahren eine Fusion mit anderen Stilen, vornehmlich mit Soul, Pop und Funk, die in Brasilien beispielsweise die Tropicália-Bewegung hervorbrachte. Für die Karibik bedeutete dies augenscheinlich, dass Calypso mit Reggae, Afrobeat, Latin, Soul und Disco versetzt wurde, die sich hier unter Ermangelung eines eigenen Typus unter Calypsoul wiederfinden.

    Tatsächlich merkt man dieser Compilation an, dass der ursprüngliche Calypso sich eher etwas schwer tat, mit anderen Elementen zu verschmelzen – eine Entwicklung, die sich beispielsweise beim Brasil ungleich schwereloser vollzog. Danach fragt man sich, inwieweit hier überhaupt noch Calypso drin ist, wo Calypso drauf steht?! Los Van Van bringt man beispielsweise eher mit kubanischem Salsa in Verbindung. Also entstehen hier berechtigte Zweifel, wie nachhaltig bei Strut Records ein Topos geschaffen wurde oder ob dies tatsächlich eine in sich geschlossene Zusammenführung war.
 
    Nichtsdestotrotz sind auf »Calypsoul 70« einige schöne Versionen zu finden, beispielsweise das Steeldrum-Cover zu Gwen McCraes »90% Of Me Is You«, das unlängst auch schon als Reggaeversion von den Dynamics gecovert wurde. Oder den Afrobeat-Calypso »Freedom In Africa« des Duke (of Iron), Cecil Anderson, einem der ursprünglichen Väter des Calypso. Überhaupt hält man sich die Highlights hier für den Schluss auf: One Essence mit dem Rare-Groover »Blackness Of Darkness«, das August-Darnell-Äquivalent Ophélia mit »Red Night Lady« und das wunderschön karibische Gospel »Of My Hands«.

LABEL: Strut / !K7 Records

VERTRIEB: Alive

VÖ: 18.08.2008

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