Butter, Golf & Staranwälte – Punk heute

Text: Christoph Braun

Butter»Verschwende deine Jugend« und »Dorfpunks« mögen allen Nachgeborenen klargemacht haben, dass Punk weder etwas mit Lederjacken, noch mit Sicherheitsnadeln oder Linkssein zu tun hatte. Der Tenor der gegenwärtigen Punk-Diagnostik lautet eher: Punk hat den Individualismus radikalisiert. Klingt schwach, muss aber so sein, da Punk ja längst die Weltgesellschaft stützt. Drei lustige Phänomene hier.
John Lydon zum Beispiel treibt weiter sein Spiel gegen die Dünkel des Kulturbürgertums. Brachte er den Ästhetizismus jüngst noch mit Auftritten im britischen Reality TV gegen sich auf, so geht seine Kunst nun eine Liaison mit dem Kommerz ein. Lydon hält sein Gesicht für Butter hin. Und zwar für die britweit bekannte Marke »Country Life« des Molkerei-Giganten Dairy Crest. Schließlich brüstet sich der Hersteller mit tüchtigem Nationalstolz: »He is seen as a great British icon. His independent views are part of his consumer appeal and his tongue-in-cheek sense of humour shines through in our TV advertising« kommentierte ein Unternehmenssprecher die Auswahl des ehemaligen Sex Pistols-Sänger. In Kürze schon sollen die Spots in TV und Internet geschaltet werden. Ein Datum wurde nicht genannt.

Das wird sicher auch die Kollegen und Kolleginnen vom Magazin Golfpunk interessieren. Denn da informiert sich der BWLer mit Wilde-Jugend-Hintergrund über aufkommende »Natural Born Golfers«, die neuesten Trends in der Putter-Entwicklung sowie – aber natürlich – die heissesten »Bunker Babes«. Bestimmt haben da die »Jungs« von den Yuppie Pricks mal in die englischsprachige Ausgabe reingeschaut.

Im Juli ist das neue, schon ziemlich abgehende Album der seit 1999 bestehenden Band erschienen. Ein Magnat im Pharmazie-Biz und ein Scheidungsanwalt in dritter Generation haben die Gruppe gegründet, die sich in der Tradition der Sex Pistols und Dead Kennedys sieht. Bloß handeln ihre Songs von der Suche nach dem besten Bankkonto und derlei.

Fazit: »No Future«.

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