Mogwai

The Hawk is Howling

Text: Stephan Schwanke

Mit »The Hawk is Howling« nehmen Mogwai einen erneuten musikalischen Kurswechsel vor. Das war vorab nicht unbedingt zu erwarten, schien die Band mit ihren letzten beiden Veröffentlichungen – »Happy Songs for Happy People« (2003) und »Mr. Beast« (2006), die beide von Presse und Öffentlichkeit überaus positiv aufgenommen wurden – doch ihre Richtung gefunden zu haben. Früher war das größte Problem von Mogwai immer die Erwartungshaltung, die durch den Erfolg ihres ersten Albums – »Young Team« fand 1997 vor allem für seine wütende Grundstimmung und die dynamischen Wechsel zwischen lauten und leisen Passagen Anerkennung – geweckt worden war. Im Gegensatz zu ihren Hörern war die Band mit ihrem Debüt aber nicht zufrieden und legte mit »CODY / Come On Die Young« (1999) ein ruhiges und melancholisches Nachfolgewerk vor, das aufgrund des Fehlens von Lautstärke von Fans und Kritik mit Enttäuschung aufgenommen wurde. In der Folgezeit schienen Mogwai ob dieser Reaktion unschlüssig über die einzuschlagende Richtung und setzten neben elektronischen Elementen wieder verstärkt auf die Eindrücklichkeit ihrer Dynamikwechsel. Resultat war zunächst das etwas uneinheitliche Album »Rock Action« (2001). Ab »Happy Songs For Happy People« aber schienen Mogwai die optimale Balance zwischen eigener Vorstellung und öffentlicher Erwartungshaltung gefunden zu haben.

    »The Hawk is Howling« legt jetzt allerdings nahe, dass diese Balance für die Band nur temporäre Gültigkeit hatte. Das neue Album klingt wie die wieder aufgenommene Fortsetzung des »Come On Die Young«-Kurses: Elektronische Elemente finden sich nur noch im Hintergrund, der Sound ist wieder deutlich rocklastiger, das Album kommt zudem vollkommen ohne Gesang aus. Der Gesamteindruck ist dennoch getragen und stimmungsgedämpft, kommt aber im direkten Vergleich mit »CODY« deutlich reifer und durchdachter daher. »The Hawk Is Howling« schafft es, eine überzeugende Homogenität – die größte Stärke von »CODY« – wiederherzustellen, aber den Fehler der Eintönigkeit nicht zu wiederholen. Die wenigen wuchtigeren Stücke fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein, statt, wie gehabt, nur als immer gleich gesetzte Kontrastpunkte zu fungieren. Auch einige lichtere Momente, darunter das an die Super Furry Animals erinnernde »The Sun Smells Too Loud«, verhindern das Aufkommen der »CODY«-Monotonie.

    Das Album ist ein offensichtlicher Rückgriff auf die Vergangenheit der Band geworden, der sich aber nicht mit Wiederholung begnügt, sondern frische, unverbrauchte Stärken aus zuvor weitestgehend als gescheitert geltenden Ansätzen entwickelt. Diese Herangehensweise ist zweifelsohne mutig – es bestand wegen des Erfolges der letzten Alben keine externe Notwendigkeit für einen erneuten Richtungswechsel –, aber das Endresultat ist interessanter ausgefallen, als es eine simple Fortführung des bisherigen Kurses jemals hätte sein können.

LABEL: PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 19.09.2008

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