Monkey

Journey To The West

Text: Xifan Yang

Gorillaz-Frontmann und Tausendsassa Damon Albarn importiert jetzt auch Märchen aus Fernost: Gemeinsam mit dem chinesischen Regisseur Chen Shi-zheng und Gorillaz-Zeichner und »Tank Girl«-Schöpfer Jamie Hewlett  schrieb er die Oper »Monkey: Journey To The West«, eine Adaption eines berühmtem chinesischen Romans um einen Affen mit Superkräften. In Paris, San Francisco und London feierte das Stück bereits große Erfolge auf der Bühne, nun erscheint der dazugehörige Soundtrack.

    »Monkey: Journey To The West« basiert auf der 500 Jahre alten Geschichte des Sun Wukong (孫悟空), seines Zeichens Affenkönig, ein furchtloses Schlitzohr und großer Trickser, treuherzig und maßlos, gutmütig und eitel, Held und Anti-Held zugleich. Seine Mission ist die eigene Unsterblichkeit, seine Aufgabe besteht darin, den Mönch Xuanzang (玄奘) auf seiner Pilgerfahrt in den westlichen Himmel, im heutigen Indien, zu begleiten. »Die Reise in den Westen« (西遊記) vereint buddhistische und daoistische Lehren, chinesischen Volkslegenden und Märchenhokuspokus in einer klassischen Roadtrip-Story: Auf einer epischen Odyssee muss Sun Wukong mit seinen Gefährten 81 Hindernisse und Kämpfe mit Myriarden von menschenfressenden Dämonen, verschlagenen Prinzessinnen und andersartigen Bösewichten meistern (Stichwort Frodo und sein Weg nach Mordor).

    Diese Geschichte ist in China seit ihrer Entstehung ein Bühnenklassiker, in den letzten 50 Jahren kamen unzählige Hörspiele, Zeichentrickserien und Leinwandverfilmungen hinzu. Der Affenkönig ist außerdem weit über die Grenzen Chinas hinaus bekannt: In Japan heißt er Son Goku (siehe gleichnamiger Protagonist aus der Comicserie »Dragon Ball«), in Vietnam nennt er sich Ton Ngo Khong. Wenn man so will, eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die Damon Albarn da in Angriff genommen hat, wagt er sich doch an die Interpretation einer Romanvorlage, die für halb Asien eine Art Kulturheiligtum darstellt. Für Inspiration und Recherche reiste Damon Albarn deshalb insgesamt fünf Mal in den letzten zwei Jahren nach China, traf sich dort mit buddhistischen Mönchen und tauschte sich mit Komponisten traditioneller Musik aus. Die Aufnahmen fanden unter anderem in Pekings altem Musikkonservatorium und in einem ehemaligen Hauptquartier der KP statt.

    Auf Monkeys »Journey To The West« treffen klassische chinesische Harmonielehre auf Atari-Computerspiel-Sounds, infantile Comic-Klänge auf traditionelle Instrumente wie die chinesische Zither Guzheng, kurze gesprochene Erzählpassagen auf Peking-Oper-Gesang und Chöre, die an verstaubte Lieder aus der Mottenkiste der roten Armee erinnern. Ob man die Texte auf Mandarin versteht oder nicht, spielt eigentlich kaum eine Rolle, Albarn ist es gelungen, die Dramaturgie musikalisch zu übersetzen und so dem Hörer einen ungefähren atmosphärischen Eindruck der Handlung zu geben. Trompeten blasen zum Kampf der Affen gegen die Truppen des Jadekriegers (»Battle In Heaven«), helle Frauenstimmen begleiten auf »Heavenly Peach Banquet« eine feierliche Szene im himmlischen Obstgarten. Immer dabei: Die typisch schlurfigen Beats, die man bereits von anderen Projekten des Ex-Blur-Chefs kennt. So könnten die Arrangements des Openers »Monkey’s World« direkt von der letzten Gorillaz-Platte stammen, das instrumentale »I Love Buddha« hätte auch dem Album von The Good, The Bad & The Queen gut zu Gesicht gestanden – insofern handelt es sich hier um eine Fortsetzung des Albarn-Prinzips mit chinesischen Mitteln. »Yourney To The West« ist ein eklektischer Wahnsinn, dem man anhört, wie sehr es Albarn am Herzen gelegen hat, einerseits das Original nicht zu verfälschen und damit in die Disney-Falle zu tappen, ihm aber dennoch einen zeitgemäßen Popanstrich zu verpassen: Am Ende kommt – so Damon Albarn selbst – etwas wie eine »Spaghetti Western Version« der Geschichte dabei heraus.

    Der Affenkönig ist bis heute unangefochten der allgegenwärtige und größte Star der chinesischen Mythologie – und es gäbe vermutlich keinen besseren Botschafter als Damon Albarn, um ihm auch im Westen einen Platz in der Popkultur zu verschaffen.

LABEL: XL Recordings / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 22.08.2008

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Gorillaz mit Plastik-Pop:

    [...] im Londoner Covent Garden – man wolle ein noch aufwendigeres Projekt als die Oper »Monkey: Journey to the West« realisieren. Des weiteren verteibt sich Allen die knappe Freizeit mit einem weiteren [...]

     
 
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