The Wedding Present

El Rey

Text: Birgit Ackermann

Los Angeles ist seit geraumer Zeit quasi Luftkurort für angeschlagene, seelenkranke Britische Künstler. Die Stadt der Engel machte unter anderem Morrissey mobil, kurierte Belle And Sebastian vom Blues und machte aus Tim Burgess von den Charlatans einen neuen Mann. Nun zog es David Gedge von The Wedding Present aus Leeds an die West Coast, um dort sein neues, achtes Album »El Rey« einzuspielen.

    Um es kurz zu machen: Auch The Wedding Present klingen auf einmal nicht mehr nach The Wedding Present. Allerdings bricht Gedge die bisher goldene Regel, dass L.A. das Beste aus den Künstlern hervorbringt. Langsame, dröge Midtempo-Stücke wie »Santa Ana Winds«, »Soup« und »Boo Boo« enttäuschen zutiefst. Lediglich zwei Stücke überraschen, sie erinnern an den Glanz vergangener Tage, ohne sie nur wieder müde aufzubereiten: Die aktuelle Single »The Thing I Like Best About Him Is His Girlfriend« und »Don’t Take Me Home Until I’m Drunk«, die einen Hauch Erlösung von der sonst zähflüssigen  Klangbrühe bringen. Zarte Erinnerungsstrahlen an die goldenen Wedding-Present-Tage sind diese beiden Stücke, als Gedge & Band in ihrer C86-Phase mit Alben wie »George Best« Maßstäbe setzten, mit Killermelodien, Gitarren-Monster-Brettern und genialen Texten.

    Klar ist Gedge, Jahrgang 1960, schon ein betagter Britpop-Gentleman – doch dass er seine Songs im lahmen Oma-Gehwagerls-Tempo versanden lässt, ist verdammt schade. So alt ist er dann nämlich doch wieder nicht. Auch Steve Albini, der unter anderem bei den Pixies, Nirvana, PJ Harvey, Joanna Newsom und den Stooges seine Magie walten ließ, konnte keine wirklich frischen Akzente oder gar Knaller setzen. Unbefriedigend!

LABEL: Vibrant Music

VERTRIEB: RTD

VÖ: 01.08.2008

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