Diverse

Elaste Vol. 2: Space Disco / Disco Italia

Text: Gerd Janson

Kompendien haben in der Regel zwei Effekte in unterschiedlichen Richtungen. Entweder ersparen sie dem Konsument viel Zeit, Geld und Nerven oder das Interesse an einem Gegenstand brennt danach lichterloh. Zwei neue Compilations aus München (Compost) beziehungsweise London (Strut), kreisen im weitesten Sinne um das Sonnensystem Disco und nehmen die doppelte Erfüllung obiger Erwartungen in Anspruch. Fangen wir mit »Elaste Vol. 2« an. Zielte der erste Teil der jungen Serie (vor zwei Jahren kuratiert von Paradiesvogel DJ Mooner) noch mitten ins möglichst authentische Herz des wiedererwachten Verlangens nach der Discoteca Cosmic und ihres Zeremonienmeisters Daniele Baldelli, löst sich die Zusammenstellung von örtlichen und im Grunde auch zeitlichen Gegebenheiten.

    Tom Wieland, Österreicher und Kopf hinter 7 Samurai und Panoptikum, scheint in Ausgabe zwei der Zusammenstellung wesentlich persönlicher vorzugehen, als es Fernbetrachtungen vergangener Clubs und Epochen sonst gemeinhin zulassen. Gehalten von der  Verlegenheitsklammer Space Disco, wühlt sich der akribische Sammler und intime Kenner ungarischer Jazz-Fusion ziemlich ungezwungen durch seine Plattenkiste. Dort finden sich unter anderem die Belgier von Two Man Sound und ihr nach 20 Jahren immer noch virulenter »Que Tal America«-Basslauf, neben dem Musikprofessor Curt Cress, Fela Kuti-Schlagzeuger Tony Allen und Münchner Zukunftsboogie von Stroer wieder. Alles behutsam gemixt und bedacht in eine stimmige Sequenz gebracht. Auf die Pauke sollen andere hauen. Die eigens von Wielands Projekt Panoptikum produzierten Stücke, reihen sich ebenso nahtlos ein. Lauten Szenenapplaus verdient der Stunt, den Vorhang mit der Frankie Knuckles Remix-Sternstunde für Rufus & Chaka Khan fallen zu lassen. Das ist hoffnungslos optimistisch und zeugt von großer Klasse. Wie ein Mixtape für gute Freunde eben sein sollte. Jene im Besitz von Plattenspielern dürfen übrigens mit einer anziehenden Vinylversion Vorlieb nehmen, die Platz und Taschengeld spart.

Disco Italia    Im Vergleich dazu geht »Disco Italia« in der Methodik ungleich archäologischer vor. Zusammengestellt von Steve Kotey, Boss des Londoner Labelimperiums Bear Entertainment und ein Mitglied der Chicken Lips, knöpft der sich hier Disco aus Italien vor. Dabei geht es weniger um das gängige Klischee, den zuckrigen Kitsch oder die Nähe zu Institutionen wie I-F und seinem Cybernetic Broadcasting System. Kotey widmet sich einer Seite, die fast schon in Vergessenheit geraten war und die eher von Soul, R&B und amerikanischen Discoentwürfen beeinflusst wurde, als die abstrakteren Entwürfe des Genres. Also Italo-Boogie, wenn man denn so will. Zum Glück glänzen die üblichen Gassenhauer von Klein & MBO, Hipnosis, Electra, Capricorn oder Alexander Robotnick dieses Mal durch Abwesenheit. Die Szenegröße Claudio Simonetti ist mit Kasso und Easy Going trotzdem mit von der Partie. Besonders hell leuchten daneben die Beiträge von Kano, dem Rainbow Team oder Tulio De Piscope, dessen Über-Hit »Stop Bajon« zu den absoluten Ibiza- und Ron-Hardy- Klassikern zählt. Ferner zeigen Firefly mit »Love Is Gonna Be On Your Side« auf, warum sie seinerzeit auf dem amerikanischen Emergency Label landeten, das sich ohnehin als oberster Brückenbauer zwischen Italien und den Vereinigeten Staaten betätigte. Auf »Disco Italia« jagt ein märchenhafter Basslauf den nächsten, die aberwitzige Dichtkunst italienischer Texter sorgt für Heiterkeit Charme und das Fazit, dass es noch viele Schätze zu bergen gibt.

LABEL: Compost Records / Strut Records

VERTRIEB: Groove Attack / Alive

VÖ: 13.06.2008

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