Leila

Blood, Looms And Blooms

Text: Christoph Braun

Elektronische Musik versucht in der Mehrzahl der Fälle, die ihr eigene Abstraktion für eine eigene, eben abstrakte Ästhetik zu nutzen. Selbst gesteigerter Techno-Expressionismus, nehmen wir beispielsweise Gabber, besitzt gerade deshalb immer dieses Moment von Reduktion. In dem, was mittels eines passenderen Begriffs Elektronika genannt wird, gehört der Umstand, dass digitale Produktionsmittel grundlegend andere Arbeitsweisen mit sich bringen und andere Arrangements erlauben, noch immer zu den zentralen Paradigmen.

    Das führt zur Erforschung grundlegender Größen des Klangs, zum Beispiel zur Arbeit an den maximal vorstellbaren Frequenzen, am tiefsten Bass, an der höchsten Höhe. Was auch dazu geführt hat, dass Elektronika kaum (noch) Anschlüsse an Pop aufweisen kann – im Sinne der Engführung von Alltag und Gegenwart, von Brötchen essen und ausgehen. Es fehlen die öffentlichen Räume, es fehlt die soziale Praxis, vielleicht so etwas wie Hör-Bars oder einfach Neu-Interpretationen des Chillout-Rooms.

    Leila setzt nun mit »Blood Looms And Blooms« auf das Storytelling als Strategie, dieser Insel zu entkommen. Die Londonerin hat ein Panorama programmiert, und wer es hört, wird von Station zu Station geführt, auf dass sie oder er höre. Das Cover: es ist die Umsetzung der Musik in einem Bild. An die Beseeltheit der Dinge muss schon glauben, Tim Burton mindestens lieben und ein Wort wie »verwunschen« nicht als Abschreckung empfinden, wer sich »Blood Looms And Blooms« aussetzen möchte. Die Geschichte entsteht dabei in der Wahl flüchtiger Klänge.

    Es ist ein Sirren und Schwirren mit einem Bezug zur Weite, auf das Leila setzt. Die Harmonien erinnern an die Fantasmagorien eines Danny Elfmann, ohne dabei ein Aufwachsen mit Bleep House und eine mit Björk verbrachte Adoleszenz verschweigen zu wollen. Der Stimmen von Martina Topley Bird oder dem Ex-Specials-Sänger Terry Hall hätte es für diese Erzählung gar nicht bedurft, sie stören aber auch nicht weiter. So muss man letztendlich nur den Kniff anwenden, diese in ihren Mitteln weiterhin abstrakte Musik unter die Überschrift der ›Otherworldlyness‹ zu stellen, und der Anschluss an die soziale Welt ist da. Denn ›Otherworldlyness‹ ist kommunizierbar, so als beliebtes Ding der Popkultur.

LABEL: Warp Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 04.07.2008

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