Ascend

Ample Fire Within

Text: Raphael Smarzoch

Bisher war es Stephen O’Malley überlassen, die stilistische Vielseitigkeit seiner musikalischen Betätigungsfelder außerhalb von Sunn O))) unter Beweis zu stellen. Kollaborationen mit dem Computer-Musiker Pita, mathematische Klangbrechungen mit Khanate und Arbeiten im Rahmen der bildenden Kunst, etwa für Banks Violette, zeigten, dass die ästhetische Ausdrucksweise des Doom Metals keineswegs in einer Sackgasse angelangt war. Nun tritt auch endlich sein langjähriger Bandkollege Greg Anderson, seines Zeichens die zweite Hälfte von Sunn O))) und Betreiber des einflussreichen Labels Southern Lord, mit dem Projekt Ascend an die Öffentlichkeit, das die furiose Wall of Sound des Doom Metals mit einem Song-orientierten Ansatz amalgamiert, indem es auf Jazz-Einflüsse schielt. Ob Ascend aber tatsächlich eine Fusion aus Jazz und Doom-Metal praktizieren, so wie es beispielsweise Miles Davis in seinen »Bitches Brew Sessions« mit dem Rock tat, bleibt äußerst fragwürdig.

    »Ample Fire Within« lebt zwar von einer kompositorischen Freiheit, die allerdings nicht zwangsläufig aus der Beschäftigung mit der experimentellen Freigeistigkeit des Jazz entstehen muss, sondern durchaus auch problemlos im Heavy Metal aufzufinden ist – ein Phänomen, das Sunn O))) selbst schon zu genüge dokumentiert haben. Referenzen auf John Coltrane oder das Mahavishnu Orchestra machen aus dieser Perspektive somit nicht wirklich Sinn, selbst wenn etwa das Stück »Divine« mit einem zarten Posaunensolo ausklingt, dessen Klanggrammatik dem Jazz entlehnt ist oder der Opener »The Obelisk Of Kolob« aus dem Kern seiner miasmatischen Soundbrunst einen ätherischen Bläsersatz aufsteigen lässt. Ascend experimentieren folglich mit jazzigen Versatzstücken, die virtuos in das voluminöse Klanggeschehen integriert werden – ein echter Austausch zwischen den Stilbereichen Jazz und Metal findet indes nicht statt.

    Die restlichen Kompositionen der Platte stimmen einen sehr dunklen Tenor an. »VOG« beginnt mit dem hypnotischen Geräusch von Flöten, die von geheimnisvollen Schlangenbeschwörern gespielt zu sein scheinen und schließlich von einem stampfenden Beat abgelöst werden, der die staubige Schönheit amerikanischer Highways beschwört. Das erinnert auch an Andersons Vergangenheit bei Goatsnake. Gentry Densleys Vocals schmiegen sich in einer fragilen Beständigkeit an die stets pointiert ausgeführten Arrangements und drohen gar, in dem Stück »Dark Matter« in ätherischen Hallwolken völlig zu zerfließen. Übrig bleibt ein gelungenes Debüt, das trotz einiger inhaltlicher wie konzeptueller Makel im konkreten musikalischen Resultat durchaus zu überzeugen weiß.

LABEL: Southern Lord

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 04.07.2008

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