Donna Summer

Crayons

Text: Jan Kühnemund

Wenig hörte man von Donna Summer in den vergangenen fünfzehn Jahren. Sie dominierte die Achtziger-Feten zwischen Garmisch und Flensburg – obwohl ihre beiden größten Hits »I Feel Love« und »Hot Stuff« aus den Jahren 1977 und 1979 rühren. Neue Lieder trällerte sie nur noch ab und an, ihr letztes Studioalbum war im Jahr 1991 »Mistaken Identity«. Gut war das nicht.

    Nun spitzt sie die Buntstifte und krickelt uns etwas. »The Queen Is Back«, verkündet sie. Im Dezember wird sie 60, »Crayons« soll ihr ein ordentliches Lifting verpassen. Für die Hülle des Albums durfte ein offensichtlich wenig talentierter Grafik-Student vorführen, welche Zerstörungskraft die Filter professioneller Bildbearbeitungsprogramme entwickeln können: Summers Nase und Wangen schimmern botulinumtoxin, die Zähne leuchten grell, in ihren Haaren schimmern die tausend Farben der Diskokugel. Der Teint legt die Fährte ins Sonnenstudio, schwarz ist sie nicht mehr.

    Und genau so klingt’s auch: Dreizehn aufgespritzte Melodien, grelle Rhythmen, überall schimmert die Disco. Seele hat das alles nicht. Stattdessen biedert sich »Crayons« an das aktuelle Popgeschehen an. Hier grüßt Anastacia, dort Nelly Furtado, hier Justin Timberlake, dort Daft Punk. Bei »Drivin’ Down Brazil« setzte Donna Summer – na? Genau! – zum Bossa an, das abschließende »It’s Only Love« hört auf einen arg bemühten House-Rhythmus. Vor ein paar Jahren hatte Beyoncé noch Donna Summers »Love To Love You Baby« gesampelt, heute versucht die alte Dame, es der Schülerin in Sachen Hüftschwung nachzutun. Vergebens.

    Jedes einzelne Stück für sich mag sogar noch ganz in Ordnung sein. Aber der verzweifelte Versuch, mit vermeintlich modernen Klängen wahrlich jede Zielgruppe anzusprechen, verkehrt sich im Lauf dieser kruden Mischung ins Gegenteil. Die ersten Lieder lässt man sich noch gefallen, dann schweifen die Gedanken ab. Nach einer Dreiviertelstunde fragt man sich, warum keine Nachrichten kommen. Ach, war gar kein Radio?

    Ihr langjähriger Produzent Giorgio Moroder ist dafür nicht verantwortlich, stattdessen heuerte eine Handvoll halbbekannter Mischer und Autoren an. Ausreißer nach oben gibt es auf dem Album keine, nach unten schon. Wenn sich Frau Summer verträumt gibt, dann wird es unerträglich. Bei der Ballade »Sand On My Feet« räkelt sie sich verträumt zu den Gitarren-Akkorden von Oasis’ »Wonderwall«, »Be Myself Again« ist ein unfassbar berechnendes Melodram zu verhalltem Elektroschlagzeug. Das klingt verdächtig nach Dieter Bohlen.

    Und Donna Summers Stimme? Na klar, singen kann sie. Aber was hilft’s, wenn die Rhythmen seicht sind und die Melodien einschläfern. Nein, so wird das nichts mit der glorreichen Rückkehr. Vorerst wird Donna Summer wohl die Königin der Motto-Partys bleiben, wird »She Works Hard For The Money« durch die Mehrzweckhallen der Welt schallen. Und das ist immerhin wirklich aus den Achtzigern.

LABEL: Burgundy

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 06.06.2008

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