Kaki King

Dreaming Of Revenge

Text: Carmen Böker

Sie könne die Gitarre zehnmal besser schrubben als er – sagt Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl über Kaki King, was kein übles Kompliment ist. Katherine Elizabeth King, Jahrgang 1979, wurde 2006 vom Rolling Stone in den Rang eines von zwanzig »New Gods of Guitar« erhoben, als erste Frau überhaupt. Und auf ihrem neuen Album »Dreaming Of Revenge« nutzt sie ihr Instrument tatsächlich virtuos wie ein ganzes Salonorchester, schöpft seine Ausdrucksmöglichkeiten aus wie die einer einfühlsam modulierenden Altstimme – für eine ätherische, poetische, versponnene Alternative-Variation, die wie der Soundtrack zu einer Sonnenuntergangsbeobachtung bei klimatisch angenehmen Verhältnissen anmutet. So besinnlich und bekömmlich geht dann auch der Film »Das Leben der Anderen« als Inspirationsquelle in das Stück »Can Anyone Who Has Heard This Music Really Be A Bad Person?« ein. King lässt die Akustische sirren und schweben wie Streichersätze, krault sie zierlich nach Songwritermanier oder nutzt sie perkussiv zum Aufbau trockener Grooves, dann wieder klagt eine Steel Guitar hohl ihr Leid, werden die Finger-Picking-Weisen gelayert mit anderen Instrumenten – um meistenteils durchaus einprägsame Popsongs zu schaffen, keine bloß am Ohr vorbeistreichende, instrumentale Begleitmusik.

    Für ihr nunmehr viertes Album arbeitete Kaki King mit dem Produzenten Malcolm Burn zusammen, der etwa schon für Emmylou Harris oder Daniel Lanois wirkte. Burn, bei den meisten Titeln auch an den Drums zu hören, brachte sie dazu, ihre detailliert ausgearbeiteten Konzepte zu vergessen und im Studio einfach draufloszuspielen – was tatsächlich oft eine spontane, geradezu funkelnde Frische erzeugt.

    Man müsse die Melodien mitpfeifen können, wenn man gerade damit beschäftigt sei, einen Baumstamm durchzusägen, so lautete die Vorgabe an King. Zu diesem Multitasking-Anspruch gehört auch, dass sie auf »Dreaming Of Revenge« bei vier von elf Titeln erstmals eigene Texte singt – während sie früher ihre Stimme eher nur als einen weiteren musikalischen Effekt nutzte. »Life Being What It Is« und »2 O’Clock« seien ›break-up songs‹, gibt sie selbst zu Protokoll, aber ohnehin durchzieht das gesamte Album ein melancholisch wegdriftender, dabei allerdings nie sentimentaler Ton. Auch die anderen beiden Vokalstücke sind im Wesentlichen durchdrungen von der Mühsal der Beziehungsgestaltung, vom ernüchterten Aufwachen am Morgen danach, vom Sichdavonstehlen und dem kleinen Rührungsmoment, wenn man dann doch einen lieben Zettel in der Jackentasche vorfindet. Kaki King singt verhalten, sanft, süss, mit einem Kleine-Mädchen-Appeal, der allerdings nichts Kokettes oder Naives an sich hat, sondern in seiner Kombination aus ätherischem Klang und nüchterner Weltsicht vielleicht ein bisschen an Emiliana Torrini erinnert. »I don’t wanna go, but I can’t say I had a good time«, heißt es in »Saving Days In A Frozen Head« – so kühl kann heute Romantik klingen.

LABEL: Cooking Vinyl

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 27.06.2008

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