She & Him
Volume One
Text: Gunnar Klack
Zooey Deschanel ist eigentlich Schauspielerin, ihren größten Auftritt hatte die Amerikanerin im Jahr 2005 als Trillian in der Kinoverfilmung von »Per Anhalter durch die Galaxis«. Zusammen mit dem wie sie aus Kalifornien stammenden Countrygitarristen und Songwriter Matt Ward bildet sie die Band She & Him. Deren Album »Volume One« kommt – nicht ganz unzeitgemäß – ein wenig retro, ein wenig verschroben daher. Es nimmt Platz in der Schnittmenge zwischen Musik und Schauspiel, zwischen Omaha und Hollywood, zwischen genial und katastrophal. Denn wenn Schauspieler singen, dann ist eigentlich immer Schlimmes zu erwarten. Nicht, weil sie es nicht könnten, sondern weil die Anforderung an den Beruf des Sängers eine genau gegensätzliche ist. Bruce Willis, Jared Leto, Russell Crowe und Kate Winslet glänzen vor der Kamera und blamieren sich vorm Mikrofon, weil sie nur gelernt haben, sich rollenweise in fremde Personen zu verwandeln.
Die landläufige Vorstellung vom musikalischen Performer hingegen ist die, dass er/sie sich selbst inszeniert. Darum ist es immer ein ganz besonderes Ereignis, wenn hinter den Leinwand- und Klatschblattgesichtern musikalischer Eigensinn, Haltung und Know-How zu erkennen sind. So lag die bemerkenswerteste Leistung von Scarlett Johansson zuletzt darin, dass sie auf ihrem Album »Anywhere I Lay My Head« genau die richtigen Register gezogen hat (vgl. Spex #315). Dort aber, wo Johansson mit Dave Sitek, Tom Waits und David Bowie im Gepäck auf der sicheren Seite steht, also in punkto Hipness und Glaubwürdigkeit, da stellt sich Zooey Deschanel auf etwas dünneres Eis. Sie kam auf die Idee, ihrer heimlichen Bewunderung für samtweichen Sixties-Pop Ausdruck zu verleihen, als sie bei einem Filmprojekt Matt Ward kennen lernte. Zusammen mit diesem und anderen Saddle-Creek-Assoziierten setzte sie elf selbstverfasste Songs und zwei Fremdkompositionen in einem naiv-niedlichen, aber auch seltsam nostalgischen Arrangement um. Mit Liedern wie »This Is Not A Test« und »I Was Made For You« huldigt die 28-Jährige den Ronettes und Dusty Springfield, inklusive Geigen und »Doo-Be-Doo« im Chorgesang, an anderen Stellen tupfen Rachel Blumberg (The Decemberists) und Mike Mogis (Bright Eyes) leisen Coutry-Folk hinzu. Siehe da: Bei reduzierten Balladen wie »Take It Back« oder »Black Hole« klingt Deschanel so einfach und direkt, dass tatsächlich jegliche Gedanken an Hollywood verwischen.
LABEL: Domino Recording Co
VERTRIEB: Indigo
VÖ: 13.06.2008

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