White Williams
Smoke
Text: Markus Schneider
Ein prima sympathisches Debüt ist »Smoke« von White Williams, ein Album durchzogen von verspieltem Charme. Zum Beispiel die Beats: Sie wollen im Groben und Ganzen nicht House- oder Technobeats sein, sondern, wie bei, sagen wir LCD Soundsystem oder Hot Chip, ihre Dancefloorlust durch Postpunk und Wave-Einflüsse formulieren. An letztere Band erinnert White Williams auch atmosphärisch und vor allem stimmlich stark. Jedenfalls klingt dieses Album, das bereits letztes Jahr in den USA erschien und für Europa nun recht passend von Domino übernommen wurde, durch die schmeichelnde Stimme und die oft lässig gefrickelten Sounds nicht brachial männlich, sondern ziemlich androgyn. Auch sind deutliche Einflüsse aus den androgynen Siebzigern herauszuhören, z.B. Leihgaben von Brian Eno, T. Rex und früher Roxy Music, und rhythmisch tuckert oft ein wenig Can-artige deutsche Motorik. Das Nette daran ist, dass sich die sexuelle Undeutlichkeit nicht programmatisch anhört, sondern man vielmehr den Eindruck hat, hier wäre jemand nur zu faul, sich zu orientieren – auch der Bandname scheint nur halbentschlossen.
Joe Williams heißt der Mann hinter White Williams, und er begann vor knapp zehn Jahren als Drummer verschiedener Bands in Cleveland, die ihre Noise-Vorliebe im Umfeld von Leuten wie Black Dice und The Rapture austobten. Dann wandte er sich lieber der Elektronik zu, unter anderem gemeinsam mit dem Produzenten und DJ Gregg Gillis alias Girl Talk. »Smoke« entstand während der letzten beiden Jahre, in denen Williams zwischen Grafikstudium und diversen Wohnzimmerstudios hin und her pendelte. Vom Cover einmal abgesehen – es ist einer der Schwachpunkte des Albums: die transsexuelle Performerin Sophia Lamar mit psychedelischem Tränenschleim und alberner Hookah (Williams verantwortet diese Gestaltung zum Glück nicht selbst) –, hat man den Eindruck, dass sich White Williams seiner Musik klug designhaft nähert.
Auch die besten Tracks, wie das bolaneske »In The Club« (natürlich nicht verwandt oder verschwägert mit 50 Cent), »Going Down« mit einer Art Krautrock-Juju-Gitarre und »Route To Palm« mit einem New-Wave-Surf-Riff, haben sich einen sympathisch unfertigen Reiz bewahrt. Paradoxerweise wirkt »Smoke« mit seinen musikalischen Referenzen, den abwechslungsreichen Rhythmen und den fröhlichen Geräuschescharen dann aber doch ziemlich ausgeklügelt und raffiniert. Für den ganz großen Wurf fehlen deshalb ein wenig die Überraschung und der Mut zur Übertretung.
LABEL: Domino Recording Co
VERTRIEB: Indigo
VÖ: 09.05.2008

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