Estelle

Shine

Text: Stephan Loichinger

Man fragt sich noch, warum Estelle die Strophen in »No Substitute Love« so singt wie damals George Michael in »Faith«, schon muss man zum Elektro-Beat der aktuellen Single »American Boy« und Kanye Wests kristallklarer Stimme mit dem Kopf nicken. Eingeleitet hat das zweite Album der neuen britischen R&B-Hoffnung die Vorab-Single »Wait A Minute (Just A Touch)«, auch das ein Hit, auch das produziert von einem Hochkaräter: Will.i.am von den Black Eyed Peas, der auch »American Boy“ veredelte. Daneben wirkten bei »Shine« mit: Wyclef Jean, Mark Ronson, John Legend, Cee-Lo, Swizz Beatz.

    Kündigt sich hier also etwas Großes an? Nun, »Shine« ist geworden, was es wohl werden sollte: eine Platte mit so genannter ›schwarzer Musik‹ auf der Höhe ihrer Zeit, mit einem Soul-Stück hier, einer Nummer mit Reggae-Rhythmus dort, einem Funken Funk und diversen R&B-Songs zum Kuscheln oder Cruisen, je nach Bedarf. Eine Platte, kein Album. Eine Dramaturgie ist nicht zu erkennen.

Estelle - Shine (Atlantic Records / Warner)

    Es wirkt eher so, als hätten die Britin Estelle und ihre Produzenten eine Liste abgearbeitet, was ihnen essentiell erschien für eine Platte, die sich vor der berühmten Konkurrenz aus den Staaten nicht zu verstecken braucht. Auch wenn Estelle über eine schöne Stimme verfügt und mit ihr rappen, schnurren und funkeln kann: Die insgesamt zwölf Stücke auf »Shine« halten das Niveau der Singles nicht.

    Handwerklich passt hier alles, aber auf überraschende Moves wurde eben auch verzichtet. Regelrecht ärgerlich sind die Lyrics, die selten über das handelsübliche Level à la »I want to stay with you forever« hinausgehen. Bei »American Boy« hört man am besten nicht genauer hin: Als Ziele für eine Reise in die USA fallen Estelle L.A., New York, die Subway und Shopping ein. Da fehlen Glamour und Tiefe. So weit freilich reicht der Anspruch von »Shine« andererseits nicht: Das hier ist Musik zum Tanzen und Turteln.

LABEL: Atlantic Records

VERTRIEB: Warner Music

VÖ: 09.05.2008

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