Asva
What You Don’t Know Is Frontier
Text: Frank Lachmann
Es gibt Platten, bei deren Hören sich sofort der eine oder andere Begriff aufdrängt, den man ganz ohne Klischeegefahr verwenden kann, um einen ersten Eindruck zu übermitteln, so eindeutig und naheliegend ist die Hörempfindung: bei »What You Don’t Know Is Frontier« ist das der Begriff der Katharsis. Die zweite Veröffentlichung Asvas, dem Namen, unter dem sich Stuart Dahlquist (Burning Witch, Sunn O))), Goatsnake) derzeit gemeinsam mit Kollegen beispielsweise von Mr. Bungle und Earth austobt, macht angeblich in Sachen »epischen Doom-Metals«. Eigentlich ist diese Musik viel mehr als das, was man sich unter einem so benannten Genre vorstellt: Düster: selbstverständlich! Langsam: meistens. Und auch nahezu instrumental: ja! Aber dann klingen Asva eben doch noch stärker, dramatischer, tragischer und auch radikaler.
Die drei jeweils 15-minütigen Tracks und der nachfolgende 25-minütige am ein Requiem erinnernde Abschluss klingen eben nicht nach zwangsläufig langhaartragenden Depri-Metalheads, sondern geradezu so, als hätte Dahlquist mit dieser Platte etwas aus sich herausschreiben wollen, als wäre sie als ein persönliches – wenngleich kryptisches, codiertes – Zeugnis eines inneren Konflikts notwendig gewesen.
Die Drums prügeln sich nicht in den Vordergrund, sondern sorgen wie ein schlecht aufgezogenes mechanisches Metronom ganz subtil für die Taktangabe. Die Gitarrenakkorde quälen sich unfassbar langsam und schrittweise von Moll nach… nun ja, Moll. Und als wäre das noch nicht ausreichend um zu demonstrieren, dass man hier Musik hört, die nicht mit geöffneten Augen gespielt oder gehört werden kann, demonstriert schließlich auch noch der Bass, dass Drones auch im Metal-Kontext funktionieren, indem sie für das berühmte unangenehme Gefühl in der Magengegend sorgen. Wären Bohren & der Club Of Gore nicht ins jazzig-saubere abgedriftet, so müssten sie eigentlich heute klingen.
Dabei ist »What You Don’t Know Is Frontier« nicht unbedingt eine Platte, nach der man sich schlecht fühlt oder das Lächeln verlernt hätte. Man lächelt mehr aus einer Erleichterung heraus, man ist schwer beeindruckt, weil einem diese Platte mal für 70 Minuten lang den Blick in den Abgrund gezeigt hat. Und man den Kontrast danach besser versteht, zwischen Hell und Dunkel.
LABEL: Southern
VERTRIEB: Soulfood
VÖ: 06.06.2008

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