Gustav

Verlass die Stadt

Text: Stephan Loichinger

Die Koalition aus der konservativen ÖVP und Jörg Haiders rechtspopulistischer FPÖ in Österreich ist gottlob Geschichte. Eva Jantschitsch, die sich als Musikerin Gustav nennt, hält ihren Kommentar dazu in Form des 2001 komponierten Lieds »Abgesang« »nach wie vor inhaltlich für relevant« und eröffnet damit ihr zweites Album »Verlass die Stadt«. Den konkreten Politik-Bezug hätte man ohne Hinweis wohl nicht verstanden. »Abgesang« liest sich wie eine Hymne auf die fröhliche Resignation: »Wenn innen wie außen so blind sind wie wir / dann hilft nur das Warten, das Trinken von Bier / Ich rebelliere im Stillen, diskutiere banal / Wenn man vieles verliert, ist dir vieles egal.« Im folgenden Stück »Neulich im Kanal« erwägt sie die Chancen für »eine kleine Revolution im Samstagabendprogramm der großen Nation«. Damit meint Gustav »Wetten, dass...?«. Beneidenswert, wer sonst keine Probleme hat, oder?

MP3: Gustav - Verlass die Stadt

    Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: Auf dem ganzen Album nennt Gustav nichts, wofür sich noch ernsthaft und mit Aussicht auf Erfolg zu kämpfen lohnte – außer sich nicht gänzlich fertig machen zu lassen von der Welt, den Politikern, den Nachbarn. »Das Leben ist kein Wunschkonzert«, wiederholt Gustav in für ein Geburtstagslied (»Happy Birthday«) fast schon deprimierend realistischer Einsicht. Andererseits verkündet sie zuvor: »Alles renkt sich wieder ein.« Dazu lässt sie nicht nur kleine Melodien und Drumpatterns aus ihrem Laptop pluckern, sondern eine Blaskapelle tröstend auftreten.

    Es sind die Streicher, die Bläser und Eva Jantschitschs sanfte Stimme, die aus »Verlass Die Stadt« trotz der allzu lebenserfahrenen Texte eine fröhliche, manchmal tanzbare Platte machen, ein Vademecum für die Härten des Alltags. Das ist schon ziemlich viel.

LABEL: Chicks On Speed Records

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 16.05.2008

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