O.S.T.

30 Days Of Night

Text: Kai Ginkel

Manch ein Filmkritiker staunte nicht schlecht, als David Slade seinem Regiedebüt, dem ›umstrittenen‹ Moralschocker »Hard Candy«, im vergangenen Jahr die Comic-Adaption »30 Days Of Night« folgen ließ, in der – so blutig wie leicht verdaulich – eine Horde Vampire ein verschneites Dörfchen terrorisierte: Wer sich von dem ehemaligen Werbefilmer eine Skandalfilmkarriere mit Massenappeal versprach, mag enttäuscht gewesen sein. Der Soundtrack, der nun passenderweise über Ipecac erscheint, ist allerdings zumindest über die meisten Zweifel erhaben und glänzt mit kraftvoll durchproduzierter Drone Music (und hübschen Noise-Elementen) aus der Feder von Brian Reitzell (u.a. »Lost In Translation«, »The Virgin Suicides«).

    Die vorliegenden Stücke jedoch als »experimentell« zu bezeichnen, wie es mit dieser Sorte Musik so gerne geschieht, wäre stark übertrieben: Reitzell bewegt sich stilistisch in einem Rahmen, der schon vor vielen Jahren abgesteckt und ausgelotet wurde. Seine tatsächlich bedrohlich wirkenden Kompositionen sind effektiv, aber nicht Bahn brechend, und sie verweilen manchmal zu sehr in jener abgegriffenen Düster-Stimmung, die bei einer Arbeit für einen betont ästhetischen Vampirfilm offensichtlich kaum zu vermeiden ist. Ein wenig erinnert das an die engagierten Elektronik-Flirts der ehemaligen Black-Metal-Gruppe Ulver.

    Zugute halten muss man Reitzell aber, wie sehr diese Musik wohl auch ganz für sich selbst stehen könnte: In seinen besten Momenten entwickelt der Score schließlich eine vollkommen eigene Dramatik, die über den eigentlichen Zweck, das Illustrieren, weit hinauszureichen scheint. In welchem Maße Slade von Reitzell letztendlich profitiert hat, ist nach dieser isolierten Betrachtung kaum auszudenken. Positiv formuliert: vermutlich eine gleichwertige Zusammenarbeit.

LABEL: Ipecac

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 18.04.2008

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