Blaktroniks

Mechanized Soul

Text: Henrik von Holtum

»Don’t imitate your parents past, create your own generation of memories.« »Mechanized Soul«, die mittlerweile fünfte Platte der Underground-Truppe aus Oakland, ist ein Generationenprojekt. Einen Großteil der Vocals steuerte Edward Robinson, der Vater von Blaktroniks-Gründer Ed Dee Pee bei; Vater und Sohn teilen sich auch das Artwork. Eward ist heute hauptberuflich christlicher Priester und Soulsänger der Surpremes-Generation, was auch hilft die Spannung zu verstehen unter der das Album steht: Schon der Titel deutet es an, was könnte also – zumindest in gängigen Kategorien gedacht – gegensätzlicher sein als Seele und Mechanik.

    Es sind kühle, fast maschinelle Instrumentals, die bei 7 von 15 Tracks durch die Soulstimme von Robinson ergänzt werden. Die Stimme: stark delayed und eng gemischt, man kennt dies von Madlibs Vocals. Die Lyrics halten sich streng an das, was man von Soul erwartet: Worte sind nur die Basis, die Emotion muss gesungen werden, da muss man schon an der einen oder anderen Plattitüde vorbei hören können: »Open up your heart / Can’t you see I need you / I’m no good without you / I can’t go on without you.« Es wird auch gerapppt auf dem Album, von Ed Pee Dee selbst, Veda 36 und dem auf »Regenerate« gefeaturten Gavin: Die Rapstyles erinnern teilweise an frühe Jungle Brothers oder Sensationel, oder an den bereits genannten Madlib. Ein Sample von A Tribe Called Quest darf schließlich auch noch auftauchen, was dem Song »Back In The Days« auch gleich den Titel gibt.

    Am schlüssigsten funktioniert das Zusammenspiel von Stimme und Instrumental bei »Noon« (dem Feature mit Gudrun Gut), was auch daran liegt, dass ihre Vocals in der vorliegenden Dubversion im wahrsten Sinne des Wortes instrumentalisiert werden. Das Herausragende am »Mechanized Soul« sind eben die Instrumentals. Die Produktion ist präzise, das Mastering von Moritz von Oswald hat mit Sicherheit seinen Teil dazu beigetragen. Das Sounddesign reicht von tiefergelegten Breakbeats über reichhaltige anloge Synths, bis zu Clubkompatiblen Sounds mit Houseanmutung. Was beim oberflächlichen Hören noch nach vermeintlich überschaubar Loop-basierter Musik klingt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als erstaunlich vielschichtig und Detailreich. Die Arrangements verzichten weitgehend auf harte Schnitte, es ist eher ein fließender Wechsel flächiger Sounds, die vielfach übereinander geschichtet auf- und abgebaut werden. Der Beat bleibt dabei stets stabil (»Uhuru«). Sperriges, machtvoll Rumpelndes gibt es aber auch zu hören: Beats die auch Roots Manuva gut stehen würden, wie zum Beispiel das Instrumental von »Open Your Heart«, auch der Einsatz von Filtern ist gekonnt und eigenständig (wie bei »Precious« zu hören).

    Diese musikalische Eigenständigkeit bedeutet allerdings auch einen Ort und eine Zeit für »Mechanized Soul«: vielleicht ist es Kopfhörer- oder auch Automusik – sicherlich aber kommt dieser schönen, bewussten und im besten Sinne des Wortes erwachsenen Platte die Einsamkeit und das Fehlen von Tageslicht zu Gute.

LABEL: Rubaiyat

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 23.05.2008

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