Quiet Village
Silent Movie
Text: Carlos de Brito
Nach den außergewöhnlichen Alben von Studio und A Mountain Of One schickt sich dieser Tage das nächste Projekt an, mit einer schwer benennbaren Mischung aus Dub, Disco, Prog, Psychedelic und mehr zu begeistern. Dabei sind Quiet Village, bestehend aus dem Crate Digger Joel Martin und dem Spezialisten für den verlängerten Trip Matt Edwards, besser bekannt als Radio Slave, beileibe keine Newcomer. Ihre erste gemeinsame Maxi erschien 2005 auf dem ominösen New Yorker Label Whatever We Want Records, zwei weitere folgten im Jahre 2006. Alle drei sind ob ihrer strikten Limitierung auf fünfhundert Kopien mittlerweile echte Secondhand-Trüffel.
Dass erst jetzt eine Sammlung jener Veröffentlichungen und neuer Stücke erscheint, ist sicherlich der langwierigen und mühsamen Lizenzierung der Samplequellen geschuldet. Denn nicht nur der Name des Projekts ist geliehen – das Exotica-Stück »Quiet Village« von Martin Denny stand hier Pate –, die Musik ist es auch. Wandelnde Sampledatenbänke oder Musik-Afi cionados mit Hang zur extensiven Internetrecherche werden in diesem Werk eine Menge meist wenig bekannter Stücke entdecken: »Utopia« beispielsweise klingt zu sehr nach Andreas Vollenweider, als dass es von jemand anders sein könnte. Bei diesem Stück gehen Quiet Village, wie auch bei ihren Bearbeitungen von obskuren Moroder-Werken oder ihrer Kombination von zwei Alan-Parsons-Project-Songs in »Pillow Talk«, nach bester Disco-Edit-Manier vor: Man nehme die besten Abschnitte eines Stücks, verlängere und loope sie, kombiniere sie mit weiteren Samples, mehreren Spuren Hall und anderen Effekten. Wer hier zu wenig Eigenleistung und das Aufwärmen oller Kamellen bemängelt, sei an epochale Meisterwerke wie Massive Attacks »Blue Lines« erinnert, das auch nicht anders entstand und dennoch frisch klang.
Dass »Silent Movie« zu einer ähnlich bedeutenden Konsensplatte wächst, ist eher unwahrscheinlich, trotzdem ist das hier entstandene soundtrackartige Werk nichts anderes als betörend. Meeresbrandung, Möwen, jede Menge Streicher, sentimentale Pianos,Vocal Samples wahlweise in Transistor-Radio- oder Dolby-Surround-Qualität, eine Prise Acid-Rock, Motown-Soul, Dubreggae und Library Music sind nur einige Bestandteile dieses exakt einstündigen Trips durch himmelweite Soundlandschaften, der spielerisch bis knapp an die Grenze der Überzuckerung führt. Wollte man das in letzter Zeit oft strapazierte Wort ›Balearic‹ noch mal bemühen, dann hier. Entspannter geht es kaum.
LABEL: !K7 Records
VERTRIEB: Alive
VÖ: 25.04.2008

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