Madonna

Hard Candy

Text: Carmen Böker

 Im August wird sie fünfzig, aber die Schwerkraft soll nimmer triumphieren über Madonna. So wie sie ihren Körper mit Hochleistungstraining vor jeglichem Verfall bewahrt, so ist auch ihr elftes Studioalbum von einer gewissen Alterslosigkeit geprägt – wenn man es denn freundlich formulieren will! Man könnte nämlich ebenso gut und unsportlich sagen: Auf »Hard Candy« klingt Madonna so eifrig und ungelenk wie in ihren frühen Jahren (und mit diesem Werk nimmt sie nach einem Vierteljahrhundert ja auch ihren Abschied vom Warner-Konzern). Sie singt wieder meist zu hoch und mädchenhaft, dafür jedoch knödelig, angestrengt und kurzatmig – was zusammen mit der typischen, derzeit omnipräsenten Timbaland/Timberlake-Produktion eine konfektionierte Retro-/Trendmischung ergibt: mit ein bisschen Hiphop hier, ein wenig R’n’B da, und dazwischen steckt noch die eine oder andere Ballade im Glanzpapier. Dazu gibt sie sich mal sorgenfrei, mal anschmiegsam, wobei letzteres zum humpelnden Rhythmus von »Incredible« besonders schlecht passt; dieses und darin speziell die Zeile »Sex with you is incredible« sind übrigens, oh là là!, dem Gatten Guy Ritchie gewidmet.

    Bei den interessanteren Titeln auf »Hard Candy« – wozu das schwiemelige Titelstück mit seiner Reife- Frau-Gebrauchslyrik und dem aufgeregten Conga-Beat ganz bestimmt nicht gehört – fühlt man sich fast schon charmant an Madonnas erste Erfolge wie »Lucky Star« und »Everybody« erinnert. So in »Miles Away« oder in »Beat Goes On«, welches mit Xylophon-Geklimper ausgestattet und von Shalamars herrlich bescheuertem Disco-Soul inspiriert ist. Auch bei dem mit Abstand witzigsten Stück »She’s Not Me« funktioniert der Zitatkanon, diesmal reicht er von Donna Summer über Rick James bis hin zu Prince’ »Kiss«-Handclap. Und auch die Botschaft passt: Ich bin Madonna und kann es sowieso besser als die da – tja, das klappt leider nicht mehr so oft.

LABEL: Warner Music

VERTRIEB: Warner Music

VÖ: 25.04.2008

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