The Last Shadow Puppets

The Age of the Understatement

Text: Gunnar Klack

Es ist doch erstaunlich, wie wenig über Retromanie, Zeitgeist und Fortschritt im Zusammenhang mit Mark Ronsons ›authentischem‹ Sixties-Sound für das zweite Album von Amy Winehouse geschrieben und gesprochen wurde. Das lässt zweierlei Schlüsse zu. Zum einen den etwas beunruhigenden, dass Nostalgie mittlerweile so sehr zu einer ernsthaft vertretbaren Position geworden ist, dass sie keine Grundsatzdebatten mehr anstößt. Zum anderen den weniger beunruhigenden, dass musikalische Qualität so sehr überzeugen kann, dass sie viele Hörer ihre kritischen Augen zudrücken lässt. Mit dieser Ambivalenz muss auch der leben, der sich dem Album »The Age Of The Understatement« der Last Shadow Puppets widmet. Dieses wurde nämlich eigens zu dem Zweck aus der Taufe gehoben, den Pomp und orchestralen Pop der späten sechziger Jahre wieder aufleben zu lassen.

    Alex Turner, Frontmann der Arctic Monkeys, und Miles Kane von der Band The Rascals schwärmten schon seit einiger Zeit von der Grandezza eines Scott Walker, von der cineastischen Dramatik Monty Normans oder John Barrys, und planten die nächste Episode in der Serie »Wiederentdeckte Epochen«. Kane und Turner hatten jeweils schon Material für dieses lange gehegte Wunschprojekt in ihren Schubladen, als sie sich vergangenen Sommer mit Produzent James Ford (Simian Mobile Disco, Arctic Monkeys, Klaxons) ins Studio begaben, um »The Age Of The Understatement« einzuspielen. Dass die so entstandenen zwölf Songs in Gesang und Melodien sofort an die Arctic Monkeys erinnern, liegt an dem eindringlich quäkenden Organ von Turner. Der singt sich immer wieder vor Miles Kane in den Vordergrund und demonstriert so, dass das Phänomen Arctic Monkeys im Wesentlichen Produkt seines außerordentlichen Talents ist.

    Nicht weniger beeindruckt das klangliche Gewand des Albums, für das Owen Pallett (Final Fantasy) aus Toronto eine Wall of Sound aus Streichern und Blechbläsern arrangierte. Befremdlich und faszinierend ist dabei, dass »In My Room« die Titelmelodie eines James-Bond-Films hätte sein können, dass »My Mistakes Were Made For You« gleichzeitig nach Sheffields Jugend-Pubrock und nach Dusty Springfield klingt. Mit Understatement, mit Untertreibung hat das natürlich nichts zu tun – zum Glück! Denn diese Ironie bricht die erschreckend perfekt inszenierte Nostalgie von »The Age Of The Understatement«.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 18.04.2008

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