Cadence Weapon

Afterparty Babies

Text: Wibke Wetzker

In der amerikanischen TV-Sitcom »Family Matters« (hier: »Alle unter einem Dach«) mutiert Nervensäge und Sonderling Steve Urkel für einige Folgen zum Frauenheld und Allerweltsmann Stefan Urquelle. So wie die französisch prononcierte Seite des Jekyll & Hyde-Phänomens zur Irritation und zum Staunen aller einen Hauch weiße Oberschicht in den afroamerikanischen Mittelklasseclan holt, so injiziert Rollie Pemberton alias Cadence Weapon ein Destillat von Indie-Jugendkultur in die Tradition des Hip-Hop. Mit seinem zweiten Album »Afterparty Babies« erfindet der 22-Jährige das Genre nicht neu, präsentiert smarten Rap aber in einer individuellen und ausgereiften Form, die vor allem eines ist: reflektiert.

    Reflektiert mit Blick auf die eigene Herkunft als Sohn des Radiopioniers Teddy Pemberton, der maßgeblich zur Etablierung von HipHop auf amerikanischen Radiostationen beitrug, und im Bezug auf eine Jugendkultur, deren Authentizität nicht mehr von der Straße herrührt, sondern globale Integrität ausübt. Auf der Textebene bedeutet das Verzicht auf Gangsterattitüden und Machismen, sowie die selbstgerechte Rekapitulation des eigenen Lifestyles zugunsten eines demontierenden Augenzwinkerns. Hierzu adaptiert Pemberton, – zuletzt auf Tour mit Final Fantasy und The Go! Team – Einflüsse von Ghostface und Madlib, David Bowie und Devendra Banhart, Daft Punk und Justice, Art Brut und The Streets, ohne dass man sie allzu explizit heraushören könnte.

    Einprägsame Nummern wie »In Search Of The Youth Crew« und »Getting Dumb« funktionieren in der Mischung eines melodischen Flows, wie man ihn von De la Soul oder Run DMC kennt, und treibender House- oder Electrobeats, wie sie New Rave auch für Indie-Hipster schmackhaft gemacht hat. 8-Bit-Bleeps und Sprachsamples über Jungs, die mit Puppen spielen, pointieren die Andersartigkeit dieses Kanadiers ebenso, wie das Cover von »Afterparty Babies« sie karikiert: Pemberton vorm Gruppenbild einer Klasse weißer Kids, die vor 10 Jahren noch als potentielle Belle & Sebastian Fans identifiziert worden wären.

LABEL: Big Dada

VERTRIEB: RTD

VÖ: 21.03.2008

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