Burning Witch

Crippled Lucifer

Text: Raphael Smarzoch

Die Geschichte von Burning Witch erzählt nicht nur von einer aufregenden Doom Band, sondern zeigt auch auf den Ausgangspunkt einer märchenhaften Karriere. Die Gründungsmitglieder Stephen O´Malley und Greg Anderson zählen heutzutage zu den gefragtesten Akteuren im Doom Metal und sind darüber hinaus mit ihrer Band Sunn O))) mitverantwortlich für die Renaissance der extremen Spielarten des Heavy Metals. Ihr gemeinsam betriebenes Label Southern Lord Records (Anderson übernimmt die Logistik, O´Malley kümmert sich um das Design) gilt als musikalisches Qualitätssiegel, das die unterschiedlichsten stilistischen Derivate des Metals – dokumentiert in aufwendig aufgemachten CD- und LP-Editionen – umfasst. Dieser gestalterischen Programmatik entspricht auch die Doppel-CD »Crippled Lucifer«, die neben den beiden wiederveröffentlichten Alben »Towers« (1996) und »Rift.Canyon.Dreams« (1997) auch umfangreiches Archivmaterial aus der kurzlebigen Bandhistorie in einem informativ gestalteten Booklet präsentiert.

    In Anbetracht der Entstehungszeit jener Aufnahmen muss Burning Witch eindeutig ein antizipatorischer Weitblick attestiert werden, klingt ihre Musik doch erstaunlich kontemporär und weist darüber hinaus ein progressives sowie experimentierfreudiges Songwriting auf. Gleich der Opener auf »Towers« verdeutlicht in der schrägen Akkordwahl und den eigenwilligen Arpeggien eine avancierte kompositorische Praxis, die O´Malley schließlich mit seinem Projekt Khanate perfektionierte. Das folgende Stück »Country Doctor« präsentiert eine zähe kompositorische Struktur aus sich langsam vorwärtsquälenden Klangwalzen. Unterbrochen wird diese schwarze Prozession von einem klangmalerischen Gitarrensolo dem skelettierte Schlagzeugbeats und deftige Bass-Drones den Weg weisen. Erstaunlich ist auch der Gesang: Eine Mischung aus klassischen Doom-Vocals und ätzendem Krächzen. Zwei Gegensätze, die elegant eingesetzt werden und einerseits die subharmonische Zeitlupenakrobatik vorantreiben, andererseits mit vokalen Zisch- und Schreilauten einen rhythmischen Kontrapunkt setzten, der zu interessanten Reibungen führt.

    Dass Burning Witch essentiell für die Entwicklung des heutigen Doom Metals waren, ist unbestritten. Einige Jahre zuvor erschienen allerdings die Alben »Into Darkness« (1991) der Band Winter und »Transcendence Into The Peripheral« (1993) von Disembowelment. Zwei Klassiker, die in ihrer Ausarbeitung Maßstäbe gesetzt haben und hiermit auch nicht in Vergessenheit geraten sollen.

LABEL: Southern Lord

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 14.03.2008

Diesen Artikel kommentieren?

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar schreiben zu können.

Solltest du noch kein Benutzerprofil haben, so kannst du dich hier registrieren. Bitte beachte: wir schätzen die Debatte, allerdings bevorzugt mit echten Menschen. Dein Username sollte daher aus Deinem vollen Namen, wenigstens aus Deinem Vornamen bestehen.

 
MySpex
Willkommen auf Spex.de
Du bist derzeit nicht angemeldet.
Um Artikel kommentieren zu können, musst du dich registrieren bzw. anmelden. Solltest du bereits auf Facebook registriert sein, so kannst Du auch diesen Login nutzen.

Login
Registrieren
 

  • Redaktionscharts 2011



    Die Spex-Redaktion hat die 30 wichtigsten Songs und Alben des Jahres kompiliert. Plus ByteFM-Stream.
  • Die neue Spex #336

    Spex #336 Teaser

    Die neue Ausgabe Spex #336 ist ab dem 16. Dezember im Handel erhältlich, u.a. mit Newcomerin Lana Del Rey, David Lynch als Musiker, Occupy Wall Street mit Mark Greif, The Black Keys und dem Jahresrückblick RE: 2011.

    Außerdem: Gordon Matta-Clark, Miguel Adrover, Frank Miller, Rodarte, Mary Bauermeister, Drive, Veronica Falls, Sepalcure, Das Racist, Winfried Menninghaus, Niobe, Let Me In u.v.m.

    Dazu: Die Spex-CD #100 mit 15 Titeln und einem tierischen Foto von Juergen Teller.
  • Vernetzen

    Spex auf Facebook
  • Gezwitscher

  • Spex abonnieren

    Spex im Abo mit Prämie

    6 Hefte ¬ 6 CDs ¬ nur 30 Euro
    Immer 1 Woche vor Kiosk frei Haus
    Jetzt abonnieren!

Spex International
Spex International
Selected Spex contents in English
  • Daniel Miller & Patrick O’Neill of Mute on their new label
    Thomas Vorreyer | 28.01.2012 um 16:01
  • Talking music history with Debbie Harry and Chris Stein
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
  • »Since I’ve become an artist my mother is proud of me«
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
more

Neueste Texte
  • Compilation: »Format«
    Sebastian Hammelehle | 10.02.2012
  • Verlosung: Soundtrack zu Nicolas Winding Refns spektakulärem »Drive«
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012
  • Verlosung: Kontrabassist Baldwin heute bei »Kometenmelodien« in Berlin
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012

Blogs

-->