Diverse

Computerincarnations For World Peace II

Text: Matthias Schönebäumer

Mit dem zweiten Teil ihrer »Computerincarnations For World Peace« feiert das Label Sonar Kollektiv und Gerd Janson einmal mehr die Rückkehr von Disco auf die Floors. Dabei verbirgt sich hinter dem etwas umständlich Titel nichts anderes als eine der Compilation-Highlights des noch jungen Jahres. War der erste Teil noch von archäolgischem Eifer geprägt, präsentiert das Sequel einen Querschnitt aktueller Produktionen von renommierten Dancemusic-Acts. Seit geraumer Zeit erfreut sich unter Produzenten und DJs eine Spielart von Neo-Disco großer Beliebtheit, die nichts mit der hedonistischen Verschwendungssucht des klassischen Disco-Begriffs der siebziger Jahre zu tun hat. Statt fettige Streichern zu bemühen, liebäugelt der Sound mit psychedelischen Hypnosemomenten und synthetischen Klängen; hochtourige Soularrangements werden von einem sanft federnden Groove unterhalb der 100 Bpm abgelöst. So klingen zahlreiche Tracks immer auch ein bißchen wie Hi-NRG auf halber Geschwindigkeit.

    Gerd Janson, Labelchef von Running Back Records und DJ im Robert Johnson, hat dreizehn retro-futuristische Discotracks kompiliert, die zwischen dubbigen Untiefen, abstrakten New Age Boogie-Entwürfen und balearischem ›laissez faire‹ changieren. Sehr gemächlich steigert sich die Spannung: die verspielten Space-Harmonica auf »Reinbâgan« von Todd Terje & Prins Thomas ist das erste kleine Wunder der Platte. Charmant und naiv-kindlich, kontrastiert mit einem seelenvollen Cembaloakkord. Château Flights schwebendes »GRN Aventurine« kreuzt Blade Runner-Assoziationen mit Italo Disco-Referenzen, bevor der Track in einem warmen Schaumbad aus Loops und verspulten Moog-Klängen versinkt. Spätestens mit dem gigantischen Maurice Fulton-Mix von Rollmottles »Take A Break« und seiner absurd gemorphten Funk-Basslinie nimmt die Compilation endlich genügend Fahrt auf, um nicht als Muzak im Hintergrund zu enden.

    Was folgt ist geeignetes Material für die sonntägliche After Hour oder das Kaffee- und Kuchenkränzchen mit der progressiv eingestellten Oma im Garten: waviger Disco-Pop (»Tyrant« von San Serac), Downbeat-Boogie mit Folkgitarren (»Shulme« von Smith & Mudd) und ein wunderschön verstrahltes »Walking In The Rain« von Frontera, das diese Compilation genauso behutsam beschließt, wie sie begonnen hat. Zumindest für die Dauer eines Discotracks ist dann der Weltfrieden gesichert.

LABEL: Sonar Kollektiv

VERTRIEB: RTD

VÖ: 07.03.2008

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