Chris Walla / The Mountain Goats
Field Manual / Heretic Pride
Text: Georg Brunner
Chris Walla ist neben seinem Solo-Projekt Martin Youth Auxiliary bekanntermaßen an zwei wundervollen Baustellen beschäftigt: Einerseits hat sich der 33-Jährige als einer der wichtigsten Indie-Produzenten einen Namen gemacht. Ähnlich wie beispielsweise Dave Sardy und Ken Andrews steht sein Name für ein Trademark, für einen speziellen Sound, der sich in seinem Fall meist durch warme, atmosphärische Texturen auszeichnet. Walla läuft dabei manchmal Gefahr, Alben zu glatt zu produzieren (leider geschehen mit Nada Surfs »The Weight Is A Gift«). Wallas zweiter Fulltime-Job ist Death Cab For Cutie, für die und mit denen er Gitarre spielt, Songs arrangiert und: die Platten produziert.
Bei seinem langerwarteten Solo-Debüt, das ursprünglich schon für das Frühjahr letzten Jahres angekündigt war, greifen Wallas außergewöhnliche Production Skills und ein Death Cab-orientiertes Sounduniversum gekonnt ineinander; mehr als ein ziemlich gutes Indie-Pop-Album ist »Field Manual« aber nicht geworden.
Walla hat alle Vocals und Instrumente außer den Drums selber eingespielt, und für die Produktionsfrage Warne Livesey als Praktikanten zur Unterstützung dazugeholt. Von der ersten Sekunde an kippt man beim Hören von »Field Manual« in die ›Death Cab Mood‹, dieses melancholisch-schwerelose Himmelbett, an deren intensive Qualität sonst nur Bands wie Someone Still Loves You, Boris Yeltsin rankommen. Schöne Kompositionen gibt es auf »Field Manual« zuhauf: Der Opener »Two-Fifty« ist sperrig, verschachtelt und trotzdem umwerfend, in »Geometry & C« kommt die Gitarre schön uptempo-surrend daher, und »Archer V. Light« wird von einem hektisch gezupften Bass getragen. Der Mär nach sind ja auch zwei Derivat-Songs der Aufnahmen zum DCFC-Album »Plans« dabei – ich tippe auf das balladeske »Bird Is A Song« (»I do not need to see, but i need a vision«) und das romantisch-idealisierende »Everyone Needs A Home« (»Even the mobilest phone, will leave you exactly alone«) mit seinen Keyboard-Tüpferchen.
Den eigenständigen Solokünstler Walla nicht würdigend könnte man urteilen, »Field Manual« sei schlichtweg die Überblende zwischen den Death Cab Alben anno 2005 (»Plans«) und 2008 (»Narrow Stairs«). Ein feines Album ohne Überraschungen, die aber auch nicht zu erwarten waren.
Im Falle der Mountain Goats um Singer/Songwriter John Darnielle, die seit 1991 eine ellenlange Diskographie hinter sich herziehen, ist deren neues Werk »Heretic Pride« doch einigermaßen überraschend ausgefallen. Nachdem »Get Lonely« aus dem Sommer 2006 doch ein sehr seufzerisch-intimes Werk geworden war, mit Klaviertupfern und Texten aus dem Sehnsuchts-Jenseits versehen, ist dieses Album doch ›anders‹: druckvoller, mehr nach einer klassischen ›Band‹ mit ›richtigen‹ ›Songs‹ klingend. Während das Cover mit seiner Schrift noch Death Metal-Klischees bedient, sind Songs wie »Sax Rohmer #1« oder »Autoclave« einfach toll aufgebaute Pop-Songs, die vom diszipliniert-druckvollen Schlagzeug kommandiert und mit Energie aufgeladen werden. Vor allem Zweiteres hat durch die eindringliche Erzählstimme Darnielles, die dezent eingesetzten Streicher und den charmanten Popappeal das Zeug zu einem halbwegs großen Hit. Das Album fällt nach hinten hin zwar ab, bleibt aber ingsesamt doch von John Vanderslice produzierter ›Lo-Fi‹-Pop at it´s quite best.
LABEL: Rykodisc / 4AD / Beggars Group
VERTRIEB: RTD / Indigo
VÖ: 29.02.2008

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