Mariah Carey
Touch My Body
Text: Walter W. WachtMitte April veröffentlicht Mariah Carey ein neues Album mit dem sagenhaft bescheuerten Titel »E=MC²«, die erste Single wird »Touch My Body« sein. Vor einigen Jahren gab es – einige unserer Leser werden sich erinnern – sogenannte »Musikvideos«, die einzelne Songs über das sogenannte »Musikfernsehen« verkauften. Für »Touch My Body« hat Regisseur Brett Ratner das altbewährte »Sex Sells«-Konzept reanimiert. Gute drei Minuten flachen Wet Dream-Gefummel-Soul durfte er dafür mit Mimi und Jack McBrayer bebildern, die Storyline beginnt mit einem Vor-Ort-Service der Firma ›Compu Nerd‹. Hier unsere Zusammenfassung:

»Hi!«

»Hallo. Mein Vorgesetzter sagte mir dass etwas mit deinem Computer nicht stimmt.«

»Ja, komm' doch rein! Ich bin mir nicht wirklich sicher was mit dem Computer nicht stimmt …«

»Deswegen haben sie mich geschickt. Mein Name ist Karl, Ich bin Experte!«

»Der Computer ist hier drin.«
Nicht schlecht bis hierhin! Man kann sich vorstellen wie es weitergeht: er repariert den Computer. Aber was sagt uns diese Szene noch?
1. Mariah Carey scheint ein Gruselkabinett aus geschmacklosen antiken Skulpturen in ihrem Haus zu sammeln.
2. Ihr Arbeitszimmer mit angeschlossenem Bad liegt im ersten Stock.
3. Dass sie in schwarzen Strapsen und Strümpfen rumläuft ist das eine, aber das mit den weißen High-Heels könnte sie ja nochmal mit ihrem Stylisten besprechen.
Aber sehen wir weiter …

Während Mimi unter die Dusche hüpft, kümmert sich Karl um ihren iMac. Vorher trällert sie aber noch etwas von wegen Sex-Tapes im Internet:
»If there's a camera up in here / Then I'd best not catch this flick on YouTube.«
Genial! Einfach so zeitgemäß, diese Frau.

OMG! »Love rocks« auf rotem Shirt, schwarze Fliege, weißes Sakko? Wahnsinn! Kleiner Schönheitsfehler: die E-Gitarre hat ja gar keine Saiten …
(Karl ist übrigens gerade am träumen, das nur nebenbei gesagt.)

Ach so! Mariah und Karl schauen zusammen den Superbowl. Leider haben die Minnesota Vikings die Qualifikation zum letztjährigen Playoff verpasst, was Carl nicht davon abhält, trotzdem seinen Glückshelm zu tragen.

Erste Regel im Dream-desire-Videoshoot-Handbuch: ein weißes Einhorn. Hörst du, Gonzales? Sagen wir doch: Genau das hättest du auf dein neues Album-Artwork packen müssen.

Die Kühlschrank-Szene haben Tom Cruise und Kelly McGillis in »Top Gun« leidenschaftlicher gebracht. Viel interessanter ist aber ja der Ernährungsplan einer Pop-Diva, der scheinbar nur aus …
1. Zitronensaft
2. Salatdressing und diversen anderen Soßen
3. fertig abgepackten grünen Salat
4. Wasser
5. in Tupper-Dosen abgepackten Antipasti
6. Austern
7. Toastbrot
… besteht.

Wow! Eine Carrera-Rennbahn auf dem Esszimmertisch: »Karl? Kannst du mir bitte den Senf rüberfahren?«

»Wer ist der gute Junge? Ooooh, du bist der brave Junge, gut apportiert!«

Hier sehen wir eine von der Download-Geschwindigkeit schwere genervte Mimi, nachdem sie den armen Karl aus der Tagträumerei herausgerissen hat. Wir kennen uns ja nicht so damit aus, aber was auch immer dies für ein Software-Update namens »A.211N« ist: wir hätten das auch gerne!

Mariah verlässt hier gerade den Raum, was sicherlich völlig normal ist, wenn ein Fremder am eigenen Rechner bleibt. Dies ist übrigens der Moment an dem Carl das Überwachungsvideo bei YouTube hochlädt, was in der Konsequenz entweder das Internet oder das Musikvideo löscht, wir sind uns in diesem Fall nicht hundertprozentig sicher.

Und das war Mariah Careys seltsames, neues Video zu »Touch My Body«. Gute 1,87 von 5 Punkten.
VIDEO: Mariah Carey - Touch My Body

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