Snoop Dogg
Ego Trippin’
Text: Harald Peters
Das Problem fängt im Grunde schon beim Cover an – es ist schrecklich. Snoop Doog auf einem Schwarzweißfoto neben einem historischen Automobil hockend, wobei er so finster drein schaut, als habe er gerade die Reifen inspiziert und festgestellt, dass sie längst hätten gewechselt werden müssen. Hätten sie ja auch, zumindest im übertragenen Sinn. Den künstlerischen Höhepunkt seiner nunmehr sechzehnjährigen Karriere hatte er gleich zu Anfang mit »Doggystyle«, seinem großartigen Debüt von 1993. Anschließend ging es bergab. Allerdings muss man ihm zugestehen, dass es ihm mit Ausdauer, Hartnäckigkeit, ausgeprägtem Geschäftsinn und einer guten Portion Selbstironie gelungen ist, sich als prächtige Karikatur seiner selbst zu verkaufen – ein Gangsta für die ganze Familie. Auch wenn er mit Werken wie »Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told« (1998) oder »No Limit Top Dogg« (1999) die Grenzen der Hörbarkeit locker unterschritten hat, war er doch stets präsent, wenn auch nur als hoffnungslos überforderter Darsteller in irgendwelchen B-Movies. Seit »Paid Tha Cost To Be Da Bo$$« von 2002 hat er sich zwar wieder gefangen, doch wirklich zufriedenstellend waren seine Platten seither noch immer nicht. Sie sind zu lang, zu struppig und inhaltlich von einer Einfalt, die nach kürzester Zeit auf die Nerven fällt. Seit man sich erinnern kann, rappt Snoop Dogg beklagenswert variationsarm im ewiggleichen Singsang, der auf die Dauer so eintönig ist, dass er das Interesse nur schwerlich zu fesseln vermag. Hätten die Neptunes ihn vor einiger Zeit nicht mit Produktionen wie »Drop It Like It’s Hot« unterstützt, die mit gewagten Tonfolgen vom Singsang ablenkten, wäre es mit seinem Comeback auch nicht weit her gewesen. Insofern war »Sexual Eruption«, die erste Auskopplung aus »Ego Trippin’ «, ein schon gar nicht mehr zu erwartender Glücksfall. Ein flottes Vocoder-Electro-Funk-Stück, auf dem Snoop Dogg zur Abwechslung mal nicht wie Snoop Dogg klingt, sondern singt. Auch »Cool«, die notentreue Coverversion eines zickigen alten Hits von The Time, erinnert mehr an Prince als an Snoop, was vor allem auch daran liegt, dass Prince einst das Stück schrieb. Auch »My Medicine«, der Countrysong des Albums, hat so gar nichts Snoophaftes, so weit hätte er sich allerdings gar nicht von sich selbst entfernen müssen. Dann wiederum ist er aber über weite Strecken wieder ganz bei seiner bekifften Gangsta-Identität und rappt dummes Zeug über Autofahrten, Partys, Frauen und die Härten und Freuden des Kriminellenlebens. Man kann es nicht mehr hören. Das Album ist eine konzeptuelle Zumutung, da passt nichts zusammen, alles, was zum Zeitpunkt der Pressung rechtzeitig fertig war, wurde einfach mitgenommen und Schluss. Selbst die Ursprungsidee, auf die der Albumtitel zurückgeht, wurde beim Produktionsprozess vergessen. Eigentlich wollte Snoop Dogg nämlich ohne Gastrapper auskommen. Jetzt sind Kurupt, Too $hort, Pharrell, Everlast, Charlie Wilson, die Gap Band und noch viele andere zu hören. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.
LABEL: Interscope
VERTRIEB: Universal Music
VÖ: 07.03.2008

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